Donnerstag, 31. Dezember 2009

Récréation

Das französische Wort für Pause heißt dirket übersetzt Wiederschöpfung. Das macht die Natur zyklisch immer im Winter. Wir Menschen dagegen schöpfen aus dem Vollen. So lange bis das Volle leer also erschöpft ist. Nennen wir es also schöpferische Pause. Die Kräfte sammeln, Prioritäten umdefinieren, die Schaffenskraft bündeln. Dank fürs treue Lesen bis hierhin, für Lob und Zuspruch, fürs Mitdenken. Fürs neue Jahr alles Gute! Die Aromapraxis besteht weiter, ich freue mich über jede Begegnung in diesem Zusammenhang!

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Fehl am Platz

Die Worte Hektik und Stress belegen zur Zeit die ersten beiden Plätze der Wortschatztopten in meiner Praxis. Alle Jahre wieder dieser Etikettenschwindel in der angeblich so besinnlichen Adventszeit! Die Nerven liegen bei vielen blank, das Immunsystem geht in die Knie. Eine Verpflichtung jagt die andere, Unzufriedenheit und Erschöpfung machen sich breit. UÄÄ - ist denn niemand mehr gut gelaunt hier? Wie wäre es mal mit abheben? Ein genussvoller Trip zwischendurch? Neinein, nichts was nicht mit dem Betäubungsmittelgesetz zu vereinbaren wäre: Nur ein Priserl griebene Tonkabohne in den Orangen-Kardamom-Kakao. Sofortige Aufhellung der Mimik und Entspannung der Muskulatur im Nacken, Gesicht und Rücken garantiert. Aber bitte nicht zu sehr entspannen: Tonkabohnen enthalten viel Cumarin und das kann in hohen Dosen lebertoxisch sein. Und deshalb Oh Schreck: Tonkabohnen sind als Lebensmittelzusatz gar nicht zugelassen. Da müssen wir mal bei Eliane nachlesen, die hat dazu schon irgendwann mal gepostet - bin zu faul zum Recherchieren, vielleicht findet jemand den Link und stellt ihn freundlicherweise in die Kommentare? Ich lasse mir inzwischen meinen Gewürzschoki mit weiteren geheimen Zutaten schmecken. Da kommt nämlich auch noch was vom bösen Zimt rein und ein winzig kleiner Schuss Rosenwasser und wenn ich völlig über die Stränge schlage, raspele ich noch etwas Ingwer dazu. Aber das artet ja schon wieder in Arbeit aus - ich wollte mich doch entspannen. Und was sonst noch hilft: "Es wird scho glei dumpa", am schönsten in F-Dur auf der Gitarre und dazu summen, Buchenholz im Kamin und bastelnde Kinder am Esstisch! In diesem Sinne: Besinnts Euch Ihr Leut, kein Grund zur Hektik: Weihnachten kann gar nicht vor der Tür stehen, wenn Ihr es nicht innen werden lasst!
Foto: Ein vor fünf Jahren Vierjähriger hat seinen Blick auf Weihnachstdeko festgehalten und freut sich heute über das Erinnerungsfoto, weil der Hase schon längst durch die ewige Spielzeugkiste transzendiert ist - oder wie man da sagt.

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Adventsduft

Advent 2009 - Mischung zur Raumluftbeduftung

2ml Pfeffer schwarz
1ml Benzoe
3ml Grapefruit extra
10 Tr. Gewürznelkenknospen
20 Tr. Douglasie
6 Tr. Love in a Mist (eine Sensation auch pur, Firma farfalla)
... das ist der Vorrat für den ganzen Advent, nicht die Portion für eine Anwendung!!!!

Donnerstag, 26. November 2009

Saisonale Duftbelästigung


Es ist wieder soweit: Geruchsbelästigung zur Erzeugung saisonaler Kaufräusche macht feinen Nasen das Leben schwer. Akustischem Vorweihnachtsterror kann man immerhin noch einigermaßen entkommen, indem man (wie auch immer) die Ohren verschließt. Die Luft bis nach den Feiertagen anzuhalten, ist zur Riechnervenschonung allerdings nicht möglich. Rücksicht und Fingerspitzengefühl sind gefragt. Dazu nur drei einfach zu erfüllende Bitten: Lasst ab und zu Frischluft rein! Nehmt wenigstens Düfte aus der Natur! Nach einer halben Stunde spätestens eine Beduftungspause einlegen. Alternativen zum allgegenwärtigen Zimtsüßkleister in den Duftlampen der Nation gibt es hier demnächst. Vielleicht verraten ja auch einige treue LeserInnen ihre liebsten Adventsraumluftverbesserungsrezepte? Und hier noch ein bisschen Ringelnatz zum selbstkritischen Naserümpfen (bei zweitausendeins gibt es gerade eine günstige Ringelnatz-Ausgabe):


Ein Geruch und ein Gestank
Hatten einen Zank.
'Ich lasse mich nicht,' rief der Gestank,
'Von deiner Suesslichkeit überschminken!''
Mein Herr, sind Sie denn riechnervenkrank?
Merken Sie gar nicht, wie Sie stinken?''
Was kümmert's dich, du bisamischer Schuft?
Bleib mir vom Leibe!''
Nein, solch ein Stunk gehört an die Luft!
Sie werden sehen, wie ich Sie vertreibe.
''Du Lüftchen, ich werde dich gleich verschlucken!
Dich scheint der Moschus am Nabel zu jucken.''
Genug, mein Herr, ich merke, Sie sind
Kein Gent. Ich spreche hier gegen den Wind.
'Es schwebten gerade zwei
Ältere Damennasen vorbei.
Sie wussten ihren Unmut zu zügeln,
Rümpften und zitterten mit den Flügeln.

Mittwoch, 18. November 2009

Die schweinische Kehrseite


... der Papiertasche, die ich zur Illustration des letzten Posts hergenommen hatte. Ein Ausschnitt aus dem Gemälde "Der Heilige Antonius" vom Zürcher Veilchenmeister Mitte des 16. Jahrhunderts gemalt. Sorry für die Bildqualität. Zu bewundern ist dieses und andere Werke aus dieser Zeit in der Johanniterhalle in Schwäbisch Hall. Sehr empfehlenswert! Die Zeiten haben sich nur scheinbar geändert: Die Ängste, der Hass, die Faulheit und der Neid der Menschen haben im Wandel der Zeiten nur jeweils neue Projektionsflächen gefunden.
Aber nun zu einer anderen Schweinerei, die ich den Teilnehmerinnen meines gestrigen Vortrags in Stegaurach versprochen habe: Himmlische Düfte und irdische Genüsse - hier das Rezept für die sauguten schokoladigen Stimmungsaufheller (über deren Reste sich meine hocherfreuten Kinder schon hergemacht haben...):
Zutaten
200g Zartbitterschokolade
4 El Kakao
150g Zucker
150g Butter
100ml Sahne
3 Eier
1TL Backpulver
200g Mehl
1Tl Backpulver
1 Prise Salz
5 Tropfen Orange süß
3 Tropfen Kardamom
4 Tropfen Vanille
100g Schoki und die Butter schmelzen. Alle anderen Zutaten außer die restl. Schoki mit der geschmolzenen Butterschokolade verrühren, schön homogen und fettglänzend wird das... Zum Schluss noch die grob gehackte restliche Schokolade unterheben. Auf ein Backblech streichen bei ca 180 Grad 20-30 Minuten backen, in Quadrate schneiden und essen oder noch verzieren.
Bei den ätherischen Ölen bitte nur einwandfreie Qualität verwenden! Wenn die Schoki, der Kakao und der Zucker fair gehandelt sind, wenigstens für die Weihnachtsbäckerei, wird das zwar teurer, dann überfressen wir uns aber vielleicht nicht auf die Kosten der Erzeuger. Und schmecken tun faire Bioschokostimmungsaufheller sowieso viel besser, weil der braune Mascobadozucker einen ganz herrlich malzigen Eigengeschmack hat!
P.S.: Vielen Dank für die motivierenden Kommentare zu den letzten Posts! So ein bisschen Schulterklopfen tut doch gut in dieser einsamen Zeit der Berührungszurückhaltung wegen Ansteckungsgefahr und anderer Zwischenmenschlichkeitsversagen.

Freitag, 13. November 2009

Nachdenken über Schweine und Grippe


Ein lästiges Thema! So große Unsicherheit in Bezug auf die Einschätzung der tatsächlichen Gefahr. Eine Glaubenskrise: Welchen Autoritäten soll und kann man da jetzt guten Gewissens folgen? Immer diese Widersprüche! Ach, wenn da doch einer wäre, der uns sagte, wo es WIRKLICH lang geht! Vertrauen wir gemeinsam auf die superkritische Behandlung der Grippe in den Medien: Bis letzte Woche kamen viele Impfkritiker zu Wort, Impfzurückhaltung war angesagt. Aber nun (laut äußerst objektiver Berichterstattung aller Genres und Niveaus) sieht und hört man immer mehr Experten, die sich für die Impfung aussprechen und wir fassen uns ein Herz, es herrscht Andrang auf die Arztpraxen. Dem Herdentrieb sei Dank! Polemisch - ja vielleicht. Impfkritisch? Doch auch. Aber Vorsicht: Hier gibt es jetzt keine endgültige Impfempfehlung. Eigenverantwortliche Selbsterfahrung ist der einzige Ratschlag, den ich machen kann. Mal sehen, wie lange das noch erlaubt ist. Jedenfalls verhalte ich mich so, wie sonst auch in der Grippezeit, weil ich eigentlich noch nie besonders scharf auf Ansteckung mit Influenzaviren war. Aber ich hatte auch noch nie und habe auch heute nicht das Gefühl, völlig hilflos den bösen Geistern ausgesetzt zu sein. Ganz nach dem Motto der Erreger ist nichts, das Terrain ist alles ( ungefähres Zitat von Louis Pasteur, dem H-Milch-Erfinder) versuche ich Jahr für Jahr den Erregern ein möglichst schlechter Gastgeber zu sein und das gelingt mir mit vielen Mitteln mal mehr mal weniger - aber ich tu auch nicht immer alles Vernünftige, sondern gehe spät zu Bett, ernähre mich saisonbedingt viel von Schokolade und anderen Immunschwächern. So habe ich das gute Gefühl, wenn ich wollte, könnte ich noch viiiiel effizienter vorbeugen. Übrigens fahre ich auch Auto, obwohl das zum Tod führen könnte, aber das ist ein anderer Argumentationsstrang... Abegesehen von den Ölchen nehme ich neuerdings auch noch Cistrosenextrakt in Tablettenform ein. Bisher bin ich durch zahllose Menschenmengen, Kindergartenveranstaltungen, Elternabende etc gekommen. Reine individuelle Erfahurng - Schwein gehabt, vielleicht. Meine Lieblingsvirenverscheucher aus der Aromapraxis: Ravintsara (former known as Ravensara), Ysop decumbens, Melisse, Weißtanne, Cistrose - ja Ihr lest richtig, Cistrose die Treue Nothelferin gehört bei mir nicht in die Parfümeurspalette sondern darf statt "zerknitterte Seelchen" zu glätten lieber Viren zerrütten - der unglaublich weichmilde Thymian thujanol fehlt ebenso wenig wie der vor langer Zeit als Zitronenkakao gelobte Eukalyptus staigeriana. Diese Öle kommen in der kalten Jahreszeit in Balsamen und Raumbeduftungen in unterschieldicher Mischung vor. Die Liste der antiviralen Öle ist damit noch längst nicht abgeschlossen. Und diejenige der Maßnahmen zur Sträkung des Immunsystems noch viel weniger. Es sind gegen die Grippe viele Kräutlein gewachsen, glaube ich - und der Glaube kann Berge versetzen! Gegen die zunehmende Entmündigung bei der Gesunderhaltung von Körper, Geist und Seele hilft nur noch beten und früh zu Bett gehen, damit wir ausgeschlafen sind, wenn wir uns eines Tages gegen Zwangsimpfungen und andere menschenrechtswidrige Maßnahmen wehren müssen.

(Mehr über das Gemälde und Schweine gibt es aus Zeitgründen erst zu einem späteren Zeitpunkt)

Freitag, 6. November 2009

24...


... Küsschen für jede meiner treuen Leserinnen eines! Danke an alle bekennenden Mitriecherinnen und Nachfühlerinnen. Zur Feier des Tages werde ich gleich mal diesen beifallheischenden Button "mehr davon" deaktivieren: Es ist so peinlich, weil der so selten angeklickt wird und ich aber trotzdem immer weiter schreibe. Sieht dann nämlich so aus, als ob mir Leserreaktionen sonst wo vorbeigingen. Tja, wie soll ich sagen - ich schreibe gerne und darf mich nicht zu sehr von der Zahl der Kommentare abhängig machen, sonst kann ich aufhören. Über Leselebenszeichen freue ich mich aber auch künftig... Und über jeden Neuzugang zur bekennenden (ich habe berechtigte Ahnung von einer enormen Dunkelziffer) regelmäßigen Leserschaft: Wenn es bis zum ersten Advent 50 sind (oder mehr??), verschicke ich an 5 per Los Auserwählte kleine duftende Adventsbesinnungen!

Mittwoch, 4. November 2009

Ja! Jaa! Jaaaa....

Vergesst alles, was ich letztens über stimmungsaufhellende Öle geschrieben habe, was Ihr je darüber gehört oder gelesen habt! Es gibt nur noch einene einzigen Duft in meinem Leben, November hin oder her, Düsternis und Wolkenbruch egal, Herbststurm, Bodenfrost und Überarbeitung geschenkt! Sogar Hustenreiz und Halsschmerz werden deutlich weniger! Ich habe durch einen Zufall eine Wiederentdeckung gemacht, die mich olfaktorisch auf allen Ebenen - Geist, Seele und jaaaaa auch Körper - dermaßen einhüllt, dass ich seit drei Tagen nichts anderes mehr brauche. In meinem unendlichen Fundus an Riechfläschchen befand sich ein jahrealtes Fläschchen mit Jaaaaasmin grandiflorum 1%ig in Jojobaöl. Eine kleine Mitbewohnerin hat es entdeckt und aufbekommen (nochmal der dringende Warnhinweis: ätherische Öle unbedingt außer Reichweite von kleinen Kindern aufbewahren!!!), tröpfchenweise versprengt und ich habe meiner Nase fast nicht getraut. Unbeschreiblich weich, blütig, duftig, pudrig und herzlich rein. Ja! Spätherbstfröstlen verflog aus den Gelenken und der Seele, Lebens- und Selbstbejahung, Herzenswärme krempelten mein Gemüt innerhalb von Sekunden um. Bitte sagt mir jetzt nicht wieder, dass das die tollen Sesquiterpene und ihre Abkömmlinge oder noch mehr wahrscheinlich die Ester, ja womöglich die erstaunlich reichlich vorhandenen Diterpenole, vielleicht aber auch das in winzigen Spuren enthaltene Indol verursacht haben. Tut mir Leid - kein Zutritt für die Wissenschaft: Mich hat der König der Düfte geküsst und ich will mich kopflos betören lassen. Ja?! Wenn ich wieder bei Sinnen bin, gibt es wieder was Neues unter die Nase gerieben - bis dahin lade ich alle zu sinnenfrohen Jasminbegegnungen ein...

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Licht, Lebensfreude, Inspiration und Sonnenschein


So lauten die Namen meiner derzeitigen sogenannten Topseller unter den ätherischen Mischungen (die ersten drei von Farfalla, Nummer vier von Neumond). Was kann uns diese kleine völlig unrepräsentative Marktforschung über die aktuellen Bedürfnisse erzählen? Ist doch klar wie küchenpsychologische Kloßbrühe: Wir suchen auf ätherischem Weg, jahreszeitlich und gesellschaftlich bedingte Defizite aufzufüllen. Dem Vernehmen nach gelingt das mit Düften zumindest ansatzweise - wir wissen ja, welche körpereigenen Dopingfeuerwerke von angenehmen Gerüchen ausgelöst werden können! Worüber wir allerdings keine Macht haben, sind die von mir immer wieder gerne thematisierten Rhythmen der Natur, die unserem modernen Leben so oft einen Strich durch die Rechnung machen. Immer und überall wird ständiges Wachstum gefordert und mit allen Mitteln angestrebt (übrigens auch die Vertreiber ätherischer Öle feilen ständig an ihren Marketingstrategien). Und was macht die Natur? Hemmungslos zyklisch genehmigt sie sich jedes Jahr eine herbstliche Regression, dass es einem die welken Blätter von nassen Nebelschwaden getränkt nur so um die Ohren klatscht. Von wegen ständiges Wachstum! Wurzeln einziehen, Umsatz drosseln und den Frost durchschlummern. Menschliche Betriebsamkeit muss dabei künstlich am Leben erhalten werden mit Heizung und Halogen (reimt sich wohl nur zufällig auf Halloween - ich hoffe, ich habe die l richtig verteilt). Das macht uns sensiblen überzivilisierten Möchtegernnaturburschen und -mädels verständlicherweise zu schaffen. Lasst uns gemeinsam den Frust verduften! Hier eine Liste meiner liebsten Lichtbringer:

Bergamotte

Grapefruit extra

Johanniskraut (destilliert, nicht mazeriert)

Mandarine komplett

Orange komplett

Zedrat-Zitrone

Kardamom

Angelika

Eukalyptus staigeriana

Neroli

Osmanthus

Dienstag, 20. Oktober 2009

Heilung erwünscht

Haarsträubende Doku in der ARD gestern "Heilung unerwünscht". Grob zusammengefasst: Pharmafirmen weigern sich ein hochwirksames und bereits zugelassenes Medikament gegen Neurodermitis herzustellen. Warum? Der zu erwartende wirtschaftliche Gewinn durch die Heilung vieler chronisch Kranker mit diesem Mittel würde in einem ungünstigen Verhältnis zum Verlust stehen, wenn diese Menschen auf herkömmliche medikation verzichten könnten. Die wahnwitzig simplen und daher nebenwirkungsarmen Inhaltsstoffe der Creme gegen juckende, entzündliche, schuppige Hautekzeme sind: Avocadoöl, Vitamin b12 und ein nicht näher benanner Emulgator.
Eigener Erfahrung zufolge bringt pure Sheabutter (bio, nicht raffiniert am besten) auch erstaunlich viel Linderung. Das ist wohl auf ihre leicht entzündungshemmende aber vor allem auf ihre den Verhornungsprozess regulierende Eigenschaft zurückzuführen. Kühlend, schmerzstillend und leicht antiseptisch können Auflagen mit qualitativ hochwertigem Rosenwasser sein. Der Leidensdruck der Betroffenen ist zu groß. Das Verhalten der Industrie ist unterlassene Hilfeleistung. Mein Hinweis ist nicht als Heilungsversprechen aufzufassen und ich verknüpfe ihn trotzdem mit den besten Wünschen. Uns allen wünsche ich eine gute Besserung!

Freitag, 18. September 2009

Wild und schön und einheimisch - Teil 2


Auch die wilde Möhre (daucus carota) kennt man vom Sehen ohne sie zu erkennen. Für sich betrachtet ist sie eine der dekorativsten Vertreterinnen ihrer Familie, den Doldenblütlern. Gemüse, genügsam, unscheinbar, gesund - nicht gerade glamouröse Assoziationen stellen sich bei der Namensnennung dieser alten Heilpflanze ein. Möhre hört sich öben söhr klösterlich askötisch an, was dem Image ihres ätherischen Öles, das aus den Samen destilliert wird, mehr schadet als nutzt. Dabei ist es ein Schönheitsöl öhne Gleichen und hilft speziell grauen Mäuschen, ihren Teint aufzufrischen! Zu Ekzemen neigende, rissige aber auch fahle Haut reagiert mit rosiger Dankbarkeit auf ein morgens und abends sanft einmassiertes Pflegeöl mit demätherischen Karottensamenöl. Basisöl sollte in diesem fall am besten Mandelöl sein, je nach individuellem Pflegebedürfnis noch mit fettem Nachtkerzensamen- oder Wildrosenöl versetzt. Bei der Aufzählung der positiven Eigenschaften von Karottensamenöl darf die leberzellregenerierende Wirkung nicht vergessen werden, die speziell in der französischen Aromatherapie mit großem Erfolg bei Patienten mit Leber- und Galleproblemen sowie Gelbsucht zum Einsatz kommt. Dafür wird Karottensamenöl aber innerlich verabreicht und dazu möchte ich hier als seriöse Laienaromaberaterin aber auf keinen Fall raten, da muss schon ein medizinsch gebildeter Mensch die Verantwortugn übernehmen!

Was fehlt noch: Der Duft. Tja wonach wird Karottensamenöl wohl riechen? Na und!? Mit Neroli und YlangYlang wird nicht nur die Hautpflege optimal ergänzt sondern auch der möhrige Duft gehörig abgerundet und alles fühlt sich rund und weich und entspannt und wunderschön im Gesicht an! Und innerlich immer schön Karottensaft einnehmen, weil bekanntlich die vielen guten Haut- und Lebervitamine nicht im ätherischen Öl zu finden sind!

Mittwoch, 9. September 2009

Wild und schön und einheimisch - Teil 1


Achillea millefolium, tausendblättrige Heilerin von Achillesfersen und anderen wunden Punkten. Schafgarbe, Deine optische Allgegenwart verleitet zum Übersehen Deiner Schönheit. Der vertraute Anblick einer Fremden. Viele rechnen die Schafgarbe spontan zu den Doldenblütlern und lassen sich dabei von ihren unzähligen Körbchen trügen. Ihre Familie sind die Korbblütler. Sie ist also verschwistert mit Gänseblümchen, Kamillen, Calendula, den ganzen Wund-Wundermädchen. Lateinisch heißt diese Gruppe nicht mehr Compositae sondern Asteraceae, die Sternlein unter den Blumen. Das passt zu ihnen, sie sind viele und strahlend wie Sterne, erscheinen selten einzeln. Das ätherische Öl der Schafgarbe enthält wie das der blauen Kamille Chamazulen und ist daher tintenblau. Ein Wunder der Alchimie: Aus weiß- bis rosablühendem Kraut - es wird mit Blüten, Stängeln und Blättchen destilliert - wird ein dunkelblaues Öl, Biochemie vom Feinsten. Die Details spare ich mir hier. Die starke Entzündungshemmung und wundheilungsfördernde Wirkung geht auf diesen besonderen Inhaltsstoff zurück. Vorsicht bei der Anwendung ist geboten, da es einen relativ hohen Anteil an Monoterpenketonen aufweist (insgesamt über 20%, davon am meisten Kampfer). Also nichts für werdende Mamis und Kleinkinder und die üblichen Risikogruppen. Für alle anderen eine echte Alternative zur blauen Kamille. Es gibt immer wieder Nasen, die sich rümpfen vor dem für sie allzu mütterlichen Charakter der Matricaria chamomilla. Erfahrungsgemäß sind das Menschen, die in irgendeiner Weise mit oder gegen Bevormundung ankämpfen. Gerne gesellt sich ins Beschwerdebild dann auch noch eine Neigung zu Koliken oder Krämpfen. Prima Kombination: Grapefruit extra, Zypresse und Schafgarbe in einem vernünftigen Mischungsverhältnis in die Balsambasis gerührt ergibt ein unheimlich hilfreiches Allheilmittel für PMS-Geplagte: Angefangen bei geschwollenen Fußknöcheln vermag es allen Körper- und Seelenregionen Entkrampung, Adstringierung (Konzentration aufs Wesentliche und Strukturelle) und Linderung zu schenken. Paradox: Diese Mischung hilft sowohl bei zu zögerlich einsetzender Menstruation, den ersehnten Blutfluss in Gang zu bringen, als auch einen zu starken auf ein Maß zu reduzieren, dass handelsübliche Damenhygieneartikel nicht viertelstündlich gewechselt werden müssen. Wer's nicht glaubt, wird's trotzdem spüren. Die Anwendungsvielfalt von Schafgarbenöl ist immens und hier nur sehr subjektiv auf die mir wichtigste beschränkt. Angenehme Tage wünsche ich allen trotz längerer Sommerblogpause treuen LeserInnen und heiße alle Neuen hiermit herzlich und herbstlich willkommen!

Mittwoch, 19. August 2009

Badewetter

Eigentlich herrlich: Der Hochsommer prunkt azurblau und dreißiggradheiß pünktlich zum bayerischen Ferienhöhepunkt. Packt die Badehosen samt kleinen Schwesterlein ein und dann nichts wie raus! Aber was passt denn nun schon wieder nicht? Bikinifigur? Sowieso nie! Wespenplage auf der Liegewiese? Hat sich der Trick mit den Kupfermünzen immer noch nicht überall herumgesprochen? Kein Wunder: So wirksam und allgemeinverfügbar ohne jegliches Marketingpotenzial, das wird nicht kommuniziert. Da ist doch nichts damit zu verdienen! Warum es funktioniert, weiß ich nicht, ich habe selber nicht dran geglaubt(Placebo-Effekt kann nicht sein ätsch) und so meinen Augen nicht getraut, als ich mit drei klebrigen Eisschleckermäulchen im Straßencafé bedrohliches Summen vernahm und innerhalb kürzester Zeit die Luft um uns schwarz-gelb gestreift zu sein schien. Einige Kupfermünzen auf den Tisch gelegt und - oh Wunder - fast alle Wespen machten über unserem Tisch kehrt. Nur eine - und das ist übrigens immer so - schwirrte weiterhin etwas ratlos herum ohne uns allerdings gefährlich zu werden. Probierts selber aus, es ist ein Segen! Also Wespen auch kein Grund zum Drinbleiben. Das Problem liegt etwas tiefer in der weiblichen Natur: Die Stachelbeerbeine, von mancher Zeitgenössin auch liebevoll Brennesselstängel gennant. Keine Rose ohne Dornen, haha. Wem auch dieses Motto nicht genügend Selbstbewusstsein für beherzt behaartes Wadenzeigen einflößt, steht mit beiden Beinen vor einem haarigen Problem: Rasieren macht die Borsten nur noch borstiger, epilieren tut weh. Beides sorgt für picklige Hautprobleme an den Waden und nimmt die Lust am Baden. Selbsterfahrungsgemäße Hilfe aus der Aromapraxis - reine Behauptung auf einer absolut nicht repräsentativen privaten Langzeitstudie basierend: Vor dem Epilieren die Beine mit eisgekühlten Rosenwasserauflagen herunterkühlen und schmerzunempfindlich machen. Dann Augen zu und durch. Anschließend Rosenwasser aufsprühen - mein Favorit ist zur Zeit ein Schüttelspray mit drei Tropfen Vetiver auf 100ml Rosenwasser ohne Alkohol, ohne Emulgator. Auf die noch benetzte Haut Kokosöl (kaltgepresstes von den Maienfelsern, absolut unschlagbar!! Nur das kaltgepresste duftet echt nach Kokos, die meisten handlesüblichen sind nachträglich parfümiert!) leicht massieren, das hat einen angenehm kühlenden Effekt. In der Zeit zwischen den Epilationstagen sollte die Haut gut gepflegt werden. Kein Alkohol auf die Haut, also auch Bodylotions mit Alkohol eignen sich nicht zur Pfelge dieser Hautpartien! Wichtig ist die Entzündungsneigung und den Verhornungsprozess zu berücksichtigen. Ein sommerlicher Beinwohlbalsam setzt sich so zusammen:
Sheabutter (harmonisiert die Verhornung, sachte schmelzen siehe auch unter dem Stichwort "Balsam"),
Kokosöl (kühlt, duftet, pflegt, s.o.),
Jojobaöl (guter Freund unseres Hauttalgs),
einigen Tropfen Sanddornfruchtfleischöl (Strahlenschutz, Entzündungshemmung),
einigen Tropfen Calophyllumöl (Lymph- und Venentonikum, gut gegen eitrige Pickelchen). An ätherischen Ölen ein bisschen Lavendel extra und ganz wichtig ein paar Tröpfchen Niaouli, weil das als die aromatherapeutische "Zugsalbe" den sich verirrenden Junghärchen, die gerne eine Kurve wachsen und dabei ins Bein pieksen und so Entzündungen verursachen können, sehr effektiv den richtigen Weg ans Licht weist. Die ungefähren Mengenverhältnisse in dieser Rezeptur (wie eigentlich bei allen meinen Balsamen): Fette Öle zu gleichen Teilen, dazu insgesamt 10%ig die Wirkstofföle (in diesem Falle Sanddorn und Calo), die ätherischen Öle höchstens zu 3% Anteil in die fertige Mischung. Duftmäßig kann man an dem Balsam noch herumbasteln. Abraten würde ich dabei aber von allem was irgendwie zitronig duftet, auch wenn die Versuchung noch so groß ist, das könnte den reizlindernden Effekt eventuell ad absurdum führen. So und jetzt aber raus mit Euch, Ihr Schönen! Räkelt Euch an den Pools, Baggerseen und Freibädern des Freistaats oder wo Ihr sonst Eure Duftspuren hinterlasst und mampft den Wespen das Eis weg, die Wassermelonen und Zwetschgen!

Montag, 3. August 2009

Sommerloch?


Das Bloggen verlangt viel Disziplin und die Aromatherapie hat im Sommer nicht gerade Hochkonjunktur? Und deshalb hört man hier zur Zeit von Aromula nicht so viel Neues. Das denkt Ihr vielleicht. Tatsache ist: Wir haben Windpocken und verbrauchen so viel ätherische Öle wie das ganze Jahr über nicht! Um es genau zu sagen: RavensaraCalophyllum (also für die Gebildeten unter Euch: eine halbehalbe Mischung aus ätherischem Wasserdmapfdestillat aus den Blättern von Ravintsara ex cinnamomum camphora und dem fetten Öl aus den Früchten von Calophyllum inophyllum) werden hier stündlich auf juckende Bläschen geschmiert. Sowohl der Juckreiz als auch die Heilung werden davon positiv beeinflusst, strapazierte Mamanerven würzig-medizinisch einbalsamiert (super Nebenwirkung). Diese Mischung ist eine bewährte aromatherapeutische Waffe bei allen viralen Infektionen mit Hautausschlag. Speziell Herpesviren (dazu gehören die Windpocken- und Gürtelrose, das Pfeiffersche Drüsenfieber, das Drei-Tage-Fieber beim Baby, Fieberbläschen... ) wird das Leben schwer gemacht. Einzige Voraussetzung für einen sichtbaren Behandlungserfolg: regelmäßige Anwendung auch über die akute Infektionsphase hinaus. Und was macht man mit all den leeren Fläschchen? Wir bekleben sie mit Fimo-Ornamenten, backen Sie im Backofen bei gut hundert Grad eine halbe Stunde und haben anschließend die hübschesten Flakons für selbstkreierte Sommerdüfte! Eine wundervolle Beschäftigung für die Windpockenquarantäne, zu der man auch gleichfalls infizierte Klassen- und KindergartenkameradInnen einladen kann. Die Inkubationszeit von Windpocken beträgt überigens ca 14 Tgae. Kinder einer Familie nutzen diese Spanne gerne komplett aus, d.h. bei drei Kindern kann sich jeder ausrechenen, wie wir hier die Sommerferien verbringen werden...

Freitag, 10. Juli 2009

Lausige Zeiten


Die liebe Sommerszeit ist bei Mensch und Pflanze leider auch Ungezieferzeit. Läuse, Mücken, Bremsen, Flöhe und Zecken sorgen für Unmut und Unwohlsein. Giftig möchte man beinahe werden, wenn es juckt und kribbelt. Die Hilfe gegen die Plagegeister soll aber trotzdem nicht zu giftig sein. Ein paar Tipps aus der Aromapraxis:

Ganz wertvoll ist das Neemöl, ein fettes Öl aus den Samen des indischen Neembaumes. Dunkelbraun und stark nach Zwiebelschmalz "duftend" ist dieses Öl die Hauptwaffe gegen Läuse und Flöhe aller Art, weil es ihre Fortpflanzungsfähigkeit unterbindet. Sowohl Blatt- als auch Kopfläusen wird damit sanft aber wirkungsvoll Einhalt geboten. Keine Risiken, sogar noch Hautpflege! Und bezüglich des Duftes gibt es gute Nachrichten: Lavendel, Patchouli, Zeder, Geranie (alles ätherisch und beste Qualität) insgesamt fünfprozentig zum Neemöl verbessert es nicht nur geruchlich sondern verstärkt auch noch die insektifuge Wirkung! Lemongrass ist auch gut gegen die Plagegeister, kann aber empfindliche Kinderkopfhaut reizen. Wem das alles schon wieder zu viel Herumgepansche ist, kann sich von der Firma WADI das Konzentrat "GrünFried" kaufen, es nach Anleitung mit Wasser verdünnen und alles, was irgendwie von Kribbeltieren heimgesucht wird damit besprühen. Was denn, was denn? Hat hier jemand gerade wirklich den Tipp gelesen, man soll Kopflauskinder mit Pflanzenschutzmittel behandeln? Das muss ein Irrtum sein! Auch von WADI gibt es ein Öl auf Neemölbasis namens Lausbub - riecht bei weitem nicht so gut wie GrünFried und ich höre ab und an auch Klagen über leichte Reizungen der Kopfhaut. Vielleicht kommt das gute GrünFried doch auch endlich mit einem anderen Etikett auf den Markt, dann schauen die Leute nicht so seltsam drein, wenn ich die Rosenstöcke und Kinderköpfe aus der selben Flasche besprühe...

Extratipp: Aromatherapie gegen ungebetene Gäste hilft nur bei regelmäßiger Anwendung. Also Montagfrüh einmal alles beduften reicht nicht für die ganze Woche! Am besten die Sprühflasche (Pumpzerstäuber) auf der Garderobe deponieren und die Lieben zum Abschiedskuss morgens einnebeln, dann direkt raus zu den Rosen. Am besten knüpft man mit oben genannten ätherischen Ölen gleich eine hübsche Sommerduftassoziation, denn so riecht nunmal der Sommer, wenn manfraukind vor solchem viehzeugs seine Ruhe haben möchte. Und wenn schon alles zu spät ist: Neemöl hilft auch bei akutem Befall, darüber ein ander Mal mehr - das heißt, falls ich dazu ermuntert werde...
Extratipp Nummer zwei: Zum Wäsche Waschen Geranie und Patchouli verwenden, das hemmt die Angriffslust kleiner Blutsauger noch zusätzlich!

Dienstag, 23. Juni 2009

Sonnenlicht in Öl


Um die Mittagszeit sollten morgen die Blüten vom Johanniskraut geerntet, in Olivenöl eingelegt und an einem sonnigen Platz bis Maria Himmelfahrt (Preisfrage an alle TraditionsneueinsteigerInnen, wann ist das?) stehen gelassen werden. Soweit die Tradition. Mein Johanniskraut steht aber noch nicht in voller Blüte. Zur Mittsommerfeuermode, Hochkonjunktur der archaischen Rituale und dem Gesellschaftskritiker Johannes dem Täufer morgen mehr und zwar hier: http://aromula.wordpress.com/

Nach ca. sechs bis acht Wochen also erhält man ein Mazerat, dessen Heilkraft selbst bei Skeptikern sich entfalten wird. Johanniskraut ist auf den Placebo-Effekt nicht angewiesen. Und trotzdem zitiere ich hier keine Wirksamkeitsstudien, die es durchaus gibt, mir sind sie nur nicht wichtig. Wobei der Placebo-Effekt, der von einer glaubwürdigen Studie ausgehen kann, durchaus nicht unterschätzt werden sollte. An irgendwas muss der Mensch ja glauben - von wegen homo sapiens! Auf Vollständigkeit in meinen Angaben verzichte ich aus diversen Gründen, darüber habe ich mich an anderer Stelle schon ausführlich ausgelassen. Ja ich stelle hier eine Behauptung nach der anderen auf, meistens ohne Belege, total unseriös! Kritiker sind gerne eingeladen, mich zu widerlegen. In einen fairen Diskurs steige ich gerne ein. Ansonsten gibt es hier höchstens erprobte Selbsthilfemaßnahmen für medizinische Laien und solche, die es bleiben wollen. Zu Zeiten, als den Menschen noch keine medizinischen Autoritäten oder biochemische Analysen zur Verfügung standen, waren sie mit ihrem Selbsterhaltungstrieb auf andere Hilfsmittel angewiesen, die ihnen Orientierung beim Überlebenskampf geben konnten. Religiosität und Naturverbundenheit gingen noch Hand in Hand. Was lag also näher, als die Zeichen der Zeit, der Jahreszeit nämlich, gesundheitsfördernd zu deuten! Johanniskraut blüht zur hellsten Zeit, nimmt das ganze Junisonnenlicht in sich auf - man muss ja nur hinschauen und es in die dunkle Jahreszeit, mitnehmen. Nach der Sommersonnenwende werden die Tage langsam aber sicher wieder kürzer. Kann es nur Zufall sein, dass lichtmangelbedingte Beschwerden mit Johanniskrautpräparaten behandelt werden können? Dass Einreibungen mit Rotöl Schmerzen und Kälte aus den Gliedern vertreiben? Und dass die Lichtempfindlichkeit mit Johanniskrautmazerat erheblich erhöht wird, man also nach einer Einreibung damit nicht in die Sonne sollte! Nichts hineingeheimnissen aber auch nichts herausrationalisieren, Junilicht in Öl speichern, für den Winter vorsorgen: Den Jahreskreis leben und alles zu seiner Zeit machen. Deshalb auch jetzt Johannisbeeren essen und freie Radikale fangen, den Organismus mit wichtigen Spurenelementen versorgen, die er jetzt am besten aufnehmen kann. Oder einfach: Weil's jetzt am besten schmeckt! Super Ökobilanz noch obendrein, kürzeste Transportwege: Hand zu Mund. Die Rhythmen der Natur sind gut für uns, da muss man gar nicht esoterisch werden, einfach normal weiteratmen. Das rhythmische Leben kann für diejenigen, die sich darauf einlassen möchten einen durchaus erwünschten Zusatznutzen bei der Behandlung nervlicher Probleme und Schmerzen haben, allen anderen hilft das starke Johanniskraut wenigstens symptomatisch auf der körperlichen Ebene - ob sie's glauben oder nicht.

Mittwoch, 17. Juni 2009

Dufter Irrtum


Dies ist kein Jasmin, auch wenn wir alle seit Kindertagen diese strahlenden Blüten mit ihrem unverwechselbaren Sommersüßduft dafür gehalten haben. Ich bekenne mich hiermit offiziell zur mutwilligen Falschbenennung wider besseren Wissens. Botanisch korrekt ist dies wohl philadelphus coronarius oder eine seiner zahlreichen Unterarten, Kreuzungen (über sechzig, wenn ich das richtig im Kopf habe) aus der Familie der Hortensiengewächse. Zu Deutsch: Pfeifenstrauch oder schon besser: Bauernjasmin. Für mich ist und bleibt es der Jasmin meiner Kindheit und aus dem schönen Gedicht von Hermann Hesse "Wir Kinder im Juli geboren lieben den Duft des weißen Jasmin..."
Soweit ich das weiß, gibt es diesen Duft nicht im Fläschchen - es sei denn man empfindet die enfternte Ähnlichkeit mit jasminum grandiflorum als hinreichend. Zum echten Jasmin demnächst ausführlicher. Vorläufig erfreuen wir uns am einheimischen Beinaheduftdouble.

Montag, 15. Juni 2009

Ein lindes Lüftchen


Flüchtig und nicht einfangbar: Lindenblütenduft gehört bei allen Mitteleuropäern bewusst oder häufiger wahrscheinlich unbewusst zu den wichtigsten Kindheitserinnerungen. Kaum ein Schulhof, Dorfplatz oder Schulweg, der sich nicht im Juni in diesen unaufdringlich allgegenwärtigen Sanftduft der Lindenblüten hüllt. Lindenblüten sind im kollektiven Duftgedächtnis der Sommerferieneiscaféfreibadsaisonvorfreudeduft. Genießen wir diese flüchtige Freude! Es gibt kein Destillat, das auch nur annähernd dieses Aroma einfängt. Hat jemand schon von einem akzeptablen Lindenblütenextrakt gehört? Mir ist keines bekannt. Einzig in Maienfels hat sich der gute Herr Lindenmann (der heißt tatsächlich so!) einigermaßen erfolgreich an einer Destillation versucht, es ist ein zierliches Blütenwasser mit einer hauchigen Ahnung von Linde herausgekommen. Allerdings, so hört man, ist die Schinderei dafür wohl in keinem Verhältnis zum Ergebnis und es wird daher keine Wiederholung geben. In meiner Praxis steht ein 50ml Flakon mit dieser Rarität, schnuppern erwünscht! Ansonsten hilft nur: Rechtzeitig tief einatmen und in Duftassoziationen aus der Kindheit schwelgen. Vielleicht sollten gerade wir Aromabegeisterte ab und zu zurück zur Quelle, den Pflanzen nämlich. Die Linde als klassischer Dorfbrunnenbaum gibt Anlass zu mehr als nur einer schwärmerischen Duftträumerei. Dieser weibliche Baum verströmt mit seiner ganzen Gestalt Geborgenheit und wohliges Heimatgefühl. Eine Meditation unter Linden stimmt sanft und gutmütig. Wollen wir uns mit den allerflüchtigsten Düften im Hier und Jetzt auseinandersetzen, den Pflanzen begegnen und saisonale Aromatherapie vor Ort betreiben! Und mit Hausmitteltipps zum Thema Lindenblütentee verschone ich uns hier vorerst alle. Ihr könnt ja mal sammeln, vielleicht bewegt mich ja in ein paar Monaten eine zarte Herbstmelancholie noch einmal zu den Lindenblüten zu posten...

Montag, 8. Juni 2009

oenothera biennis


Gamma-Linolensäure, dreifach ungesättigt! Das Argument für das fette Öl aus den winzigen Samen der Nachtkerze. Neurodermtiker buchstabieren das im Schlaf. Aber auch alle anderen Hautprobleme lassen sich mit der äußerlichen und innerlichen Anwendung dieses teuren fetten Öls hervorragend beeinflussen. Über die genauen ernährungsphysiologischen Vorgänge in diesem Zusammenhang kann man sich in "Aromatherapie für Pflege- und Heilberufe" von Eliane Zimmermann Überblick verschaffen (Siehe Literaturliste) Für die Hautpflege gibt man das Nachtkerzensamenöl ca. 10%ig ins Massageöl oder die Pflegelotion, müsste mit naturkosmetischen Produkten grundsätzlich kompatibel sein. Zur Nahrungsergänzung kann man es zum Salatöl geben, pur ein paar Tropfen vom Teelöffel schlecken (finde ich aber kratzig im Hals), aberauf keinen Fall erhitzen. In Kapseln kann man das wertvolle Öl auch schlucken, wenn man gerne Gelatinebatzen im Bauch hat, ansonsten kann man die Kapseln ja auch aufmachen: Die extreme Anfälligkeit fürs Ranzigwerden macht den Kauf in Kapseln sinnvoll - aber eben noch unsinnlicher und teurer.
Schön und gut. Treuen LeserInnen wird mein bockiger Unterton nicht entgangen sein: Der Fall Nachtkerzensamenöl ist ein perfektes Beispiel für die Entfremdung von der Natur trotz Naturheilkunde und -kosmetik. Die Begegnung mit der Pflanze kommt zu kurz! Wer kennt die Wildform schon? Meist wird sie von ahnungslosen, ordnungsliebenden HobbygärtnerInnen aus Mauerritzen gerissen noch ehe sie zur Blüte kommt. Die Nachtkerze sucht sich die seltsamsten Plätze, ist genügsam und stört viele Leute. Aber nirgends ist das Wort UNkraut unangebrachter! Sie ist eine der ästhetischsten freiwilligen Gartenbewohnerinnen! Genügsam aber ohne falsche Bescheidenheit wächst sie zu stattlicher Größe heran. Man kann ihr beinahe zusehen. Das Öffnen einer Blüte begleitet laue Sommerabende im Freien, zur Belohnung für unsere Geduld verströmt sie kurz vor dem Zubettgehen einen zarten Duft. Das Gelb leuchtet wie aus einer inneren Lichtquelle in der Nacht weiter, man glaubt es beinahe hören zu können. Nach einem sonnendurchglühten Tag umhaucht diese Blüte wohltuende Kühle. Aus TCM-Sicht ist es eine Yin-Pflanze par excellence. Alle Frauen, die unter PMS leiden oder denen die Zeit des Wechsels Schwierigkeiten bereitet, sollten an Nachtkerzensamenöl als Nahrungsergänzung denken - und die Gesellschaft dieser bezaubernden Pflanze suchen! Warum nicht bei der Gartenarbeit nebenbei die winzigen Samen kauen? Und immer wieder diese schöne Überlebenskünstlerin bewundern. Meist repräsentiert sie alle Lebensphasen gleichzeitig: Knospen, Blüten, Verblühendes, Welkes und Samen. Sie lädt ein zur Meditation über Lebenszyklen, das Werden und Vergehen.

Samstag, 6. Juni 2009

Das Ganze...

...geht weiter, lässt mir keine Ruh. Meldungen über krebsauslösende und krebshemmende Eigenschaften einzelner Inhaltsstoffe ätherischer Öle geben sich in letzter Zeit quasi die Klinke in die Hand. Uns Laienaromaanwendern wird ganz schwindelig dabei! Das Stichwort Krebs hat unglaubliche Signalwirkung: Es löst Angst und Demut bei allen gleichermaßen aus, es macht willig, wenn gesetzliche Maßnahmen den Bürger angeblich vor dieser Krankheit schützen sollen. Krebs gehört für nahezu jeden zur alltäglichen Realität: Am eigenen Körper, in der Familie, im Freundeskreis oder wenigstens in der weiteren Bekanntschaft. Verständlich, allzu menschlich ist das Bedürfnis, in allen Lebensberiechen nach Ursachen für diese leid- und todbringende Krankheit zu suchen. Wer möchte nicht das Vermeidbare vermeiden? Typisch für das mechanistische Weltbild in unserer Gesellschaft ist die Suche nach einzelnen Auslösern - und siehe da sie werden gefunden! Und so kommen bestimmte ätherische Öle ihrer Einzelinhaltsstoffe wegen auf die Abschussliste, nur weil einer der oftmals über hundert vorkommenden Stoffe in isolierter und hochdosierter Form im Labor Krebszellen zum Wachsen gebracht hat! Und dann: Einer der wichtigsten Inhaltsstoffe von Irisöl erweist sich in einer Studie pünktlich zu meinem Iris-Post als hemmend auf das Zellwachstum bei Prostatakrebs! Genaueres dazu steht hier: http://aroma-therapie.blogspot.com/2009/06/duft-gegen-prostatakrebs.html , ein leises Jubeln erstickt mir in der Kehle: Ein Triumph für die Aromatherapie! Oder? Von Herzen wünsche ich jedem Gesundheit und ein langes Leben, der mit der Diagnose Prostatakrebs konfrontiert wird! Dafür sind solche Studien bestimmt unerlässlich. Für die Verfügbarkeit ätherischer Öle für uns Laienanwender läuten durch diese vermeintlichen Triumphe allerdings die Abendglocken: Ätherische Öle werden dadurch zu Arzneimitteln, denen eher früher als später eine Abgabebeschränkung per Gesetz auferlegt wird. Ob sie dadruch im klinischen Bereich dann vermehrt zum Einsatz kommen werden, ist angesichts der damit verbundenen Kosten eher fraglich. Welche Nachteile es aber für die Gesundheit derer hat, die sich eigenverantwortlich und vernünftig täglich mit ätherischen Ölen selbst pflegen, es dann aber nicht mehr können, weil ihnen der Zugang vielleicht verwehrt zumindest aber erschwert werden soll, kann leider kaum ermittelt werden. Das absolut günstige Nutzen-Risiko-Verhältnis in der alltäglichen Anwendung ätherischer Öle findet in der öffentlichen Diskussion (soweit eine stattfindet) kaum Beachtung. An diesbezüglichen Studien hat niemand wirtschaftliches Interesse. Deshalb müssen wir medizinischen Laien wissen, was wir mit ätherischen Ölen tun können und wollen, um für ihre Verfügbarkeit kämpfen zu können, wir sind unserer eigene Lobby. Mehr Selbstbewusstsein in der Anwendung ätherischer Öle außerhalb von Klinik und Esoterik sowie ein gerüttelt Maß an Experimentierfreude mit Sinnlichkeit und Verstand, bitte! Iris und Prostata, Maiglöckchen und Sperma - ich hoffe für alle feinen Nasen, dass sich diese Duftassoziationen nicht festsetzen!

P.S.: Hier die Schokoladenseite unserer Birke ;-)

Donnerstag, 4. Juni 2009

Das Ganze ist mehr...


... als die Summe seiner Einzelteile. Das gilt in allen Lebensbereichen - bei ätherischen Ölen ganz besonders. So aufschlussreich die Entschlüsselung der Einzelinhaltsstoffe sein mag, muss man doch davon ausgehen, dass Wirkungen nicht nur auf biochemische Tatsachen zurückführbar und letztlich nicht alles erklärbar sein wird, was uns aus der Welt der Düfte Gutes widerfährt. Das geben wir in der wissenschaftlich fundierten Aromatherapie allerdings nur ungern zu, weil doch gerade der Kampf um Seriosität so wichtig ist. Da können wir es gar nicht gebrauchen, wenn wir in den Ruch des Esoterischen geraten! Wie stehen wir denn vor der Schulmedizin da, wenn wir was von Regenbogenbrücken und Ewigkeit faseln? Glauben ist gut, Kontrolle ist besser, gerade in einem Bereich, wo so viel Schindluder mit der Gutgläubigkeit leidgeprüfter Menschen getrieben wird. Deshalb stehe ich sehr zu dem an den Inhaltsstoffen orientierten Erklärungsansatz in der Aromatherapie. Gleichzeitig weise ich aber auch energisch auf dessen Grenzen hin: Im Sinne echter Objektivierbarkeit lassen sich ätherische Öle angesichts ihrer komplexen Zusmamensetzungen (über 300 Einzlinhaltsstoffe beim Lavendel, so viel ich weiß noch nicht einmal alle identifiziert) nicht erfassen und Wirkungen nicht ausschließlich kausal auf Einzelinhaltsstoffe zurückführen. Zu wenig weiß man aus wissenschaftlicher Sicht über die Synergien, die zwischen Inhaltsstoffen stattfinden, zu groß kann die Bedeutung von nur in Spuren vorhandenen Inhaltsstoffen sein: Man denke an die entkrampfende Wirkung von Methylanthranilat in der Mandarine, das nur zu einem nullkomma Prozentanteil im ätherischen Öl enthalten ist!

Es wundert mich immer wieder die Frage nach Erklärungen von Wirkungen, weil es doch nicht sein könne, dass Wirkungen nur wegen des Geruchs zustande kommen. Aber das ist ja gerade das Schöne, dass im Wesentlichen der Duft aussagekräftig ist und jeden einzelnen Anwender zum Experten für die eigenen aromatischen Bedürfnisse werden lässt. Unsere Wirklichkeitswahrnehmung setzt sich aus einer Kombination unserer Sinneseindrücke zusammen und der Geruch ist der einzige, der Sich nicht von der Vernunft diktieren lässt! Der Nase nach, dem Instinkt trauen können, Unabhängigkeit von Expertentum und Mündigkeit im Umgang mit der eigenen Leiblichkeit sowie der uns umgebenden Natur - meine Utopie von der Zukunft der Aromatherapie!

Dienstag, 2. Juni 2009

Iris - endlich


In meinem Garten blüht nur noch eine letzte Nachzüglerin und mahnt mich zur Einhaltung eines längst gegebenen Versprechens.

Die Göttin des Regenbogens, Iris, Schwertlilie - eine schöne Abhandlung über die Vielfalt de Schwertlilien und ihre botanischen Bezeichnungen findet man hier http://http//www.gaissmayer.de/index/seiten/duftpflanzen/iris.htm.

Das ätherische Öl aus iris germanica oder pallida wird aus dem Rhizom, dem Wurzelstock gewonnen und zwar in einem unendlich aufwendigen Verfahren. Jahrelanges Lagern, Zerkleinern, manchmal sogar fermentieren, Wasserdampfdestillieren, wieder Lagern, Reifen, manchmal sogar gezielt belüftet - eine Wissenschaft für sich! Heraus kommt ein unfassbar schillernder Duft, seltsam vertraut, süß und blumig aber auch erhaben, tiefgründig unfassbar. Dieser Duft weist weit über die Grenzen des Materiellen hinaus - nicht nur wegen seines hohen Preises - schafft eine Verbindung mit der Ewigkeit. Der Regenbogen als Brücke ins ewige Leben ist mit Iris zum Riechen nah. Eines der wichtigsten Öle in der Sterbebegleitung. Aber auch zur Erweckung totgeglaubter Gefühle, Erweichung bornierter Grundsätze, Erlösung von Schuldgefühlen: Nirgends liegen Spirtualität und Sinnlichkeit so nah beieinander wie in diesem Duft. Umhüllend, mit der Leiblichkeit versöhnend weist Iris sanft über die Grenzen der iridischen Existenz hinaus und bietet Weitblick ohne Realitätsverlust, Weite des Herzens, Großzügigkeit, Luft zum Leben und Lust zum Lieben. Blütenduft aus der Wurzel, keine Widersprüche! Nahrung und Reinigung für Haut und Seele - ein Hauch genügt. Für alle Irisduftliebhaber gibt es ein unerhört feines Iriswurzelwasser bei den Maienfelsern.
Wie die leider etwas ungelenk abgelichtete tauschöne Gattungsvertreterin der Schwertlilien auf dem Foto heißt, weiß ich nicht. Fotografiert habe ich sie auf Schloss Dennenlohe vor zwei Wochen. Jedenfalls ist sie nicht leicht fotografisch zu porträtieren, entzieht sich göttinnengleich der Zweidimensionalität...

Donnerstag, 28. Mai 2009

P.S. zu Basiswissen 4 Waschmaschine

Fragen über Fragen!
Im letzten Waschgang der Waschmaschine, also Weichspülerfach: Prima Anwendungsmöglichkeit für ätherische Öle, wenn man mit Ökowaschmitteln wäscht. NAtürlich für die Wäschebduftung nicht die alten Öle nehmen (Wäsche kommt doch auch mit der Haut in Kontakt!) die sind wirklich nur zur Putzwasseraufbereitung und Toilettenreinigung oder Ameisenvertreiben geeignet! Emulgieren oder nicht? In der Hoffnung, dass das einströmende Wasser und die Drehungen in der Trommel für genug Wirbel sorgen und damit die ätherischen Öle in Dispersion halten würden, habe ich eine Zeit ohne Emulgator beduftet - bis ich dann in weißer Wäsche mal einen fürchterlichen harzigen Patchoulibatzen hatte, buäh. Jetzt mache ich mir immer eine Wäschebeduftungsemulsion auf Vorrat mit dem Lösungsvermittler von der Firma WADI, das ist ein natürlicher Emulgator eigentlich zur Herstellung für Kosmetik gedacht.
Mit der Beduftung von synthetischen Duschgels wäre ich seeehr zurückhaltend, also ich nehme so Zeug sowieso nicht mehr, weil ich der Ansicht bin, dass ich alles theoretisch essen können müsste, was mir auf die Haut kommt. Und was ätherische Öle dann in Kombination mit irgendwelchen PEGs und solchen Sachen machen - neenee, lass mal!
Dann gabs noch mehr Fragen, die ich aber nicht so in der großen Runde pauschal beantworten möchte. Auf Mails antworte ich auch - die Adresse steht im Impressum.

Basiswissen Nr. 4

Aufbewahrung und Haltbarkeit

Guter Impuls Ines, danke!



Ätherische Öle sind Naturprodukte, sie sind flüchtig, in ihrer Zusammensetzung veränderlich und einige ihrer Inhaltsstoffe haben die Eigenschaft sich wahnsinnig schnell mit dem Luftsauerstoff zu verbinden, das heißt: sie oxidieren sehr rasch. Die Folge: sie reizen die Haut und riechen blöd - zumindest für die einigermaßen sensible Nase. Bei den meisten Ölen kann man es also mit ein bisschen Erfahrung riechen, dass die Frische fehlt.
Für den Umgang mit den Ölen bedeutet das:
Es darf so wenig Luft wie möglich dran kommen
Deckel immer gleich wieder drauf
Reste in Fläschchen nicht jahrelang rumstehen lassen!




Das gilt vor allem für alle Nadelbaumöle, alle Zitrusöle, alles was sonstwie zitronig riecht. Teebaumöl riecht leider von Natur aus blöd (jajaja, das ist eine gezielte Provokation, los widersprecht mir!), der Grad der Oxidierung kann also per Geruchstest nicht herausgefunden werden, am besten man entsorgt Teebaumölreste alle sechs Monate via Putzwasser, so nutzt es immer noch als natürliches Desinfektionsmittel und kann keinen Schaden mehr anrichten.



Außerdem sind ätherische Öle ähnlich wie Wein licht- und temperaturempfindlich, deshalb gilt für ihre Lagerung dasselbe wie für guten Wein: Möglichst kühl, aber nicht eiskalt, möglichst keine Temperaturschwankungen, möglichst dunkel.

Es gibt sogar ätherische Öle, die durch Reifung besser werden, die gehören allerdings erfahrungsgemäß nicht zu den Erstanschaffungen von Aromaneulingen, weil sie eher im oberen Preissegment angesiedelt sind, wie man so schön sagt.

Die oben genannten ätherischen Öle halten ungefähr ein jahr, bei guter Lagerung auch mal länger, alle anderen tausche ich turnusmäßig alle drei Jahre aus - bei optimaler Lagerung natürlich.



Mittwoch, 27. Mai 2009

Ein Tröpfchen in Ehren - Basiswissen Nr. 3


Die Dosierungsfrage ist die Gretchenfrage der Aromatherapie!

"Sag, wie hältst dus mit dem Dosieren?"

Ganzganz dünnes Eis: Ein Tropfen zu viel und alles kann im Eimer sein, Wirkungen können sich in ihr Gegenteil verkehren und Fachleute können einen hohnlachend als totalen Aromatrampel entlarven (ein beliebter Sport in der Szene übrigens, aber das nur am Rande). Entsprechend winde ich mich bei dieser oftmals in gretchenmäßiger Unschuld von Aromaneulingen gestellten Frage wie ein Wurm. Das können Anfänger dann oft gar nicht gut leiden, sie wollen gerne Faustregeln, die in allen Lebenslagen gelten sollen. Und dann komme ich mit meinem genörgelten:"Njämpfnjöö, kommt drauf an welches ätherische Öl, welcher Zweck..."

Seit Tagen brüte ich nun über der Formulierung einer einigermaßen seriösen Zusmmenfassung aller Dosierungsregeln: Habe nun ach Biochemie und Osmologie durchaus studiert mit heißem Bemühn...und bin so klug als wie zuvor. Genug Faust! Jetzt zur Faustregel: Dazu eine schlechte Nachricht - mit Goethe sehr wohl aber mit Fäusten kommen wir in der Aromatherapie überhaupt nicht voran, es ist immer Fingerspitzengefühl gefragt! Und das hängt von folgenden Faktoren ab:

1. Anwendungsart (Raumbeduftung, Kosmetik, Küche)

2. Konstitution (alt, jung, schwanger, allergisch, dick, dünn...)

3. Rahmenbedingungen (hohes Zimmer, viele Fenster, wenig Stoff oder plüschig, niedrig, muffig)

4. Qualität der ätherischen Öle - altes oxidiertes Teebaumöl kann man beispielsweise super pur verwenden, ja, als Toilettendesinfektion oder Ameisenvertreibung, am besten noch das noch ältere und noch oxidiertere Orangenöl mit dazu, aber bitte Handschuhe tragen!


  • Raumbeduftung: Dosierung richtet sich nach Raumgröße, Ausstattung, Tageszeit, Menschenanzahl. Weniger ist mehr, Beduftung sollte an der Wahrnehmungsgrenze stattfinden und setzt die Duftakzeptanz bei allen Anwesenden voraus! Lieber mit einem Tröpfchen in Ehren anfangen und bei Wohlgefallen noch eins nachlegen...

  • Massageöl zum Wohlfühlen: auf einen Esslöffel fettes Öl (siehe Basiswissen 2) kommen maximal 3 Tropfen ätherisches Öl, bei scharfen, hautreizenden oder stark duftenden ätherischen Ölen genügt oft schon ein Tropfen.

  • in der Badewanne: ätherische Öle müssen immer emulgiert werden, da sie sonst auf dem Wasser schwimmen und komplett unverdünnt an die Haut gelangen können! Als Emulgator empfiehlt sich Sahne, Honig, oder ein neutrales Badeöl mit pflanzlichem Emulgator (Firma WADI) , neutrales Schaumbad (Firma Farfalla). Auf ein Vollbad kommen in der Regel maximal zehn Tropfen ätherische Öle insgesamt. Den Anteil an Zitrusölen bei einer Bademischung sollte man je nach Empfindlichkeit der eigenen Haut recht niedrig halten.

  • pur sollten Laien eigentlich nur Lavendelöl verwenden, es gibt andere Anwenundgen in akuten Situationen mit puren ätherischen Ölen, die etwas mehr Selbstinformationsbereitschaft voraussetzen...

Zu therapeutischen Zwecken können Dosierungen wesentlich kühner aussehen. Selbsttherapie ist (noch?) nicht verboten, die dazu nötige Selbstverantwortung kommt aber immer mehr aus der Mode und daher hülle ich mich über therapeutische Anwendungen hier in Schweigen, lade aber für eine individuelle Beratung diesbezüglich zum Gespräch in meine Praxis! Sprechstunde: Jeden Mittwoch und Freitag ab 16.00Uhr, bitte um telefonische Anmeldung! Und welches Basiswissenkapitel soll der nächste Post behandeln? Sonst gehe ich endlich zu Mirjams lang ersehnter Iris über!

Dienstag, 26. Mai 2009

Schreim oder nich schreim?

Uff, die Feedbackfrage verursacht hohe Wellen: Eliane http://www.aroma-therapie.blogspot.com/ hat erstmal genug vom echoarmen Gratiswissenverschenken - dafür habe ich Verständnis und bin traurig darüber, weil damit nicht nur eine wundervolle Informationsquelle versiegt sondern auch diese spannende neue Kommunikationsform namens Blog eine Niederlage erleidet.

Was diesen Blog hier anbelangt,weiß ich auch, dass mein Publikum zum Teil komplett neu in der Blogwelt unterwegs ist, weil ich auf diesem Wege für meine Kundschaft aus der Aromapraxis Aromula einen Service eingerichtet habe. So war das ursprünglich gedacht. Was und warum mein Blog hier ist, steht ganz ausführlich in der Seitenleiste. Von einigen Kundinnen weiß ich auch, dass sie regelmäßig hier reinlesen, obwohl sie sonst mit Internet gar nichts am Hut haben und die Kommentarfunktion niemals betätigen würden, weil das Web einfach unheimlich für sie ist. Durchaus nachvollziehbar, wenn man bedenkt, wieviele stumme Augenpaare diese Zeilen hier lesen! Das inhaltliche Gestalten dieser Seite wurde zu einer größeren Herausforderung, als sich immer mehr Fachkolleginnen unter die LeserInnen mischten. Prima für mich! Der Kenntnisstand der Leserschaft fing alleridngs an extrem heterogen zu werden. An wen sollte ich mich nun inhaltlich richten? Einerseits habe ich immer Elianes Windschatten genossen: für die wirklichen Spezialfragen ist (ich weigere mich war zu schreiben) ihr Blog da. Schreibe ich möglichst schlicht, verliere ich aber die neuen LeserInnen, kann mit meinem enormen Fachwissen nicht in einer mir angemessenen Weise prahlen, mich in der Szene nicht genug profilieren - jahajaaaaa: Die eigene Eitelkeit spielt bei der Geschichte eine enorme Rolle! Dabei haben sich dann einige meiner Kundinnen vernachlässigt gefühlt, der Blog drohte seinem Gründungsgedanken zuwiderzulaufen. Als Anregung nahm ich gerne den Wink auf, hier mal all die Basics, die ich bei Vorträgen und Workshops immer wieder von mir gebe, kompakt zusammenzufassen. Das habe ich dann angefangen mit den Basiswissen-Posts und: SCHWEIGEN! Kein Kommentar, keine Mail, auch kein Anruf - also gar keine Reaktion. Daher mein vorgestriger Hilfeschrei nach Resonanz. Danke, denen, die darauf reagiert haben. Morgen gibts mehr Basiswissen, für Aromula-KundInnen und Gäste. Und Gäste sagen hallo und danke für die Einladung und klauen keine silbernen Löffel...

Sonntag, 24. Mai 2009

Hallo?


Liebe Aromaneulinge! Ist Euch mit dieser Art Extrem-Instant-Basiswissen geholfen? Oder ist das doch zuuu primitiv? Bitte ein bisserl mehr Rückfutter also Feedback, sonst fühle ich mich, als ob ich an die Wand rede äh schreibe! Und mir verfliegt die Laune schlagartig auf das nächste Basiswissenkapitel über Dosierungen und einfachste Aroma-Anwendungen. So ein Riesenbedürfnis ist diese Art der Schreiberei für mich dann auch nicht. Ich entspreche damit schließlich Euren Wünschen, bitte mehr Anpsorn!

Freitag, 22. Mai 2009

Und noch ein Ausflugstipp







LeserInnen aus dem Einzugsgebiet Nürnberg-Würzburg sei ein Ausflug zum Schloss Dennenlohe dringend ans Herz gelegt. Es ist umgeben von einem der schönsten Gärten, den ich je betreten habe. Jetzt blühen die Rhododendren und bis Sonntag ist auch noch Ausstellungs- und Festbetrieb http://www.dennenlohe.de/ Aber auch nach der Rhododendronsaison wird die grüne Seele dort auf ihre Kosten kommen. Ich komme bald wieder!

Unterschied fette und ätherische Öle:Basiswissen Nr.2

Nicht lachen bitte - es fällt vielen und nicht nur den Anfängern in Sachen Aromatherapie schwer, fette und ätherische Öle per Definition von einander abzugrenzen!

Fette Pflanzenöle
  • hinterlassen Fettflecken
  • sind annähernd duftneutral oder sehr dezent im Geruch
  • werden aus Nüssen, Samen, Früchten, Kernen gepresst (oder raffiniert, was allerdings ihre wertvolle Zusammensetzung beeinträchtigt)
  • sind für die menschliche Ernährung von unersetzlicher Bedeutung!

Beispiele: Sonnenblumenkernöl, Olivenöl, Rapsöl, Sesamöl, Mandelöl, Traubenkernöl...

Fette Öle spielen in der Aromatherapie als Trägersubstanzen für die ätherischen Öle eine wichtige Rolle. Besonders geruchsneutral und hautfreundlich ist das süße Mandelöl.

Ätherische Öle:

  • riechen stark, konzentriert, für die ungeübte Nase im puren Zustand manchmal gar zu sehr
  • reine ätherische Öle sind nicht fett, hinterlassen also auch keine Fettflecken (nur die Zitrusöle, da sie Wachse aus den Schalen enthalten - wie lange noch, seufz?)
  • ätherische Öle kommen in vielen Pflanzen vor, können in allen Pflanzenteilen enthalten sein und werden meist per Wasserdampfdestillation gewonnen
  • es braucht viiiiiieeel Pflanzenmaterial bis ein Tröpfchen ätherisches Öl rauskommt, waschkörbeweise Lavendel für ein 10ml Fläschchen - klar, dass die Versuchung zu strecken und zu panschen groß ist. Ätherische Öle kaufen ist große Vertrauenssache...
  • zur Anwendung auf der Haut, im Bad, in der Küche müssen ätherische Öle im Allgemeinen stark verdünnt werden, zum Beispiel mit fetten Pflanzenölen

Dienstag, 19. Mai 2009

Basiswissen Nr.1

Wie einigen LeserInnen mündlich versprochen, kommt hier der erste Teil einer kleinen Einführung für Aroma-Anfänger: ich wollte das dann doch nicht Aromatherapie für Dummies nennen, obwohl das ein lustiger Vorschlag ist. Auch kann ich nicht wie gewünscht idiotensichere Tipps geben, mein Einfühlungsvermögen in idiotische Phantasie und Gedankenlosigkeit hält sich in engen Grenzen. Vielmehr werde ich in nächster Zeit einfach häufige Fragen in einer sinnvollen Reihenfolge beantworten, so dass hier allmählich sowas wie ein Miniaromabasiswissen herauskommt, für alle, die sich mit ein paar wenigen Fläschchen ätherischer Öle die Gesundheit erhalten wollen, aber keine Ambitionen haben, sich wahnsinnig in das Thema zu vertiefen (kann natürlich durchaus trotzdem passieren).

Noch eine kleine Bitte an alle erfahrenen AromakollegInnen und -anwenderInnen unter meinen LeserInnen: Nicht erschrecken, ich fasse wirklich sehr oberflächlich und einfachst zusammen, die Darstellungen werden also nicht dem Maximum meines Wissens- und Kenntnisstandes entsprechen - hierzu empfehle ich die genaue Lektüre dieser Seite, den Besuch eines meiner Vorträge oder ein Beratungssgespräch in meiner Praxis. Vollständigkeit strebe ich genauso wenig an wie Allgemeingültigkeit, nur Alltagstauglichkeit für den ganz normalen Haushalt.




Warum müssen alle Anfänger erstmal Lavendelöl haben?

Mit Lavendelöl fängt die Aromatherapie an: für Laien ist es das wichtigste Öl überhaupt, weil man quasi wirklich nichts falsch machen kann, man darf es sogar pur auf der Haut anwenden! Aber NIE IN DIE AUGEN ODER OHREN!!! Wer erstmals bei mir in der Praxis vorbeischnuppert, wird nicht ohne ein Fläschchen besten Lavendelöls nach Hause gehen, vorher verkaufe ich gar keine anderen Essenzen... Auch wenn man sonst gar nichts mit der Welt der ätherischen Öle am Hut hat: Lavendelöl gehört in jeden Haushalt, in jede Handtasche, sogar in jeden Schulranzen und jede Sporttasche.

Und das alles kann der Lavendel, vorausgesetzt es handelt sich um ein ungepanschtes Destillat aus lavandula angustifolia in bester Qualität und von zweifelsfreier Herkunft:


  • erste Hilfe bei Verbrennungen und Verletzungen (pur auftragen)

  • die Wunde wird desinfiziert und der Wundverschluss gleichzeitig angeregt

  • Rettung für verunglückte Duftmischungen - ein Tröpfchen kann schrille Kreationen harmonisieren

  • Einschlafhilfe: niedrig dosieren, nur ein Tropfen aufs Kissen.

  • Insektenvertreibung

  • schlagartige Gestanksneutralisierung in geschlossenen Räumen, auf einer Autofahrt z.B. ("uähh, Mama ich hab da was am Schuh unten...")

...und er kann noch vielviel mehr. Halthalt, liebe Kommentatoren, bevor Ihr jetzt lange Listen über die Wohltaten des Lavendels aufschreibt, muss ich erst eine Provokation loswerden: Es gibt quasi nichts, was Lavendelöl nicht kann, oder?


Mittwoch, 13. Mai 2009

Mit den Augen riechen




Es ist nicht zu fassen, dass die asiatischen Schwestern unserer Pfingstrosen so hemmungslos duftfrei sind! Aber der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt und Düfte imaginieren ist eine der anspruchsvollsten mentalen Leistungen. Herzliche Einladung zum visuellen Riechen dieser unduftenden Strauchpaeonien aus dem wunderbaren botanischen Garten in Erlangen!

Und für alle Pfingstrosenduftliebhaber gibt es von Florascent Pivoine: Selten hat ein Parfumeur den Duft der Pfingstrose so gekonnt von dem der Rose abgegrenzt. Beide Eaux florales stehen in der Aromapraxis für Sie zum Schnuppern bereit!

Freitag, 8. Mai 2009

Elternabend

Herzliche Einladung zum Elternabend

"Steigerung der Konzentrationsfähigkeit mit Hilfe ätherischer Öle"

Donnerstag, 14.05.2009 um 19.30 Uhr
Im Kindergarten Sankt Johannes in Schlüsselfeld.
Anmeldung (begrenzte Teilnehmerzahl!) entweder im Kindergarten oder bei mir.
Darum geht's:

  • Konzentrationsfähigkeit: Was ist das? Wie lange sollten sich Kinder in welchem Alter und worauf konzentrieren können?
  • In welchen Situationen und auf welche Weise zeigen sich mögliche Defizite in der Konzentrationsfähigkeit?

  • Motorische Fertigkeiten und ihr Einfluss auf die Konzentration

  • Vorbildfunktion der Erwachsenen

  • Ursachen für Störungen der Konzentratiosnfähigkeit bzw. -bereitschaft

  • Rituale helfen, die Aufmerksamkeit in wiederkehrenden Situationen zu bündeln

  • Geeignete ätherische Öle zur Steigerung der Konzentration, zur Entschärfung konfliktgeladener "Nadelöhrsituationen"

Und wie immer: Zeit zum Fragen und Schnuppern!



Sie sind interessiert aber zu weit weg oder haben keine Zeit am kommenden Donnerstag? Kein Problem: Wie bei allen Aromula-Vortragsthemen: Dieser Abend ist "exportierbar"! Ab fünf InteressentInnen komme ich mit diesem Thema zu Ihnen, bringe meine Öle und die Präsentation mit. Für individuelle Inhaltsabsprachen bin ich offen!

Mittwoch, 6. Mai 2009

Allergisch?


Die sogenannte zivilisierte Gesellschaft spaltet sich momentan noch deutlicher als sonst in zwei voneinander abgegrenzte Untergruppen: Allergiker und Nichtallergiker. Die Kommunikation zwischen beiden ist mitunter nur mit höchstem diplomatischem Sachverstand zu meistern. Eine sich zunehmend von möchtegern natur-und alternativmedizinsch Bewanderten sich breitmachende Unart ist die pseudoganzheitliche Ursachenforschung. Viel Selbstgerechtigkeit beobachte ich da vor allem bei nichtallergischen Müttern von nichtallergischen Kindern (da gehöre ich auch dazu): "Also unsere Kinder durften immer schon im Dreck spielen und einen Putzfimmel kann man mir nicht nachsagen: Ist ja wissenschaftlich bestätigt, dass dann Allergien keine Chance haben." "Eben, man muss diese Sachen viel lockerer nehmen. Hygienewahn blockiert doch total, da haben es Krankheiten und Allerigen leicht!" Dieser Einstellung liegt ein tragisches Missverständnis der östlichen Heiltraditionen (TCM und Ayurveda) zu Grunde: Diese heilkundlichen Ansätze sehen, vereinfacht gesagt, die Harmonie aller körperlichen und seelischen Prinzipien (Elemente oder Doshas) als Voraussetzung für Gesundheit. Prima: Wenn man also alles richtig macht, dann ist alles im Lot und die Energie, Qi oder wasauchimmer fließt zur Belohnung frei und ohne Niesanfälle und Atemnot durch den perfekten Körper? Schade: Die sehr komplexe und menschenfreundliche Sichtweise des Zusammenspiels von Körper, Geist und Seele verkommt durch unsere vom mechanistischen Weltbild geprägten Denkart zu einer "Selberschuldalleseinstellungssache". Das schadet sowohl dem Ansehen dieser nicht hoch genug zu schätzenden Heilkünste als auch dem Zusammenleben von Betroffenen und nicht Betroffenen. Schlechte Energie! Dabei lohnt sich fundierte alternative Herangehensweise bei Allergien durchaus...


Ätherische Hilfe für Heuschnupfengeplagte gibt es zu Hauf. Die wichtigsten Öle zur Linderung von Allergiebeschwerden sind:


Niaouli

Atlaszeder

Manuka

Myrte (türkisch, Cineol-Typ)


Eine wirkliche Erleichterung der Beschwerden im Nasen-Rachenraum kann ein Spray mit diesen Ölen und Rosen-Lavendel-Melissen-Wasser verschaffen. In einer 50ml-Sprayflasche das Hydrolat mit insgesamt höchstens zehn Tropfen ätherischen Ölen verschütteln (kein Alkohol dazu, der reizt die Schleimhäute) und bei Bedarf ins Gesicht und den Rachen sprühen. Mildert den Juck- und Niesreiz. Immer wieder gut schütteln.

Samstag, 2. Mai 2009

Schöner Zahn der Zeit


Kurzes Innehalten im Wonnemonat um der allgegenwärtigen Maiphorie ein bisschen gegenzusteuern - nicht um die Stimmung zu dämpfen sondern um tiefer einzutauchen...


Wie haben wir das Gelb der Maiwiesen herbeigesehnt und mähen es bereits wieder ab - wo nicht, da trägt es der Wind schon als weiße Schirmchen davon. Für lyrische Gemüter empfiehlt sich die Lektüre August von Platens Tristan. In der Freiburger online-Anthologie http://www.lyrik-und-lied.de/ finden sich dieser und viele andere schöne Texte. Ein Gedicht über Schönheit, Ästhetik und die Endlichkeit des Lebens. Demnach zeichnet sich Schönheit durch ihre Lebendigkeit und mithin ihrer Vergänglichkeit aus. Für die Nase empfiehlt sich ein Spaziergang mit geblähten Nüstern durch alle Tageszeiten. Mit Dufttagebuch unterm Arm, so lässt sich die Frühlingsluft wenigstens mit Tinte destillieren! Wann riecht der Flieder? Wann der Ginster besonders stark? Nach der Immortelle konnte ich letztes Jahr die Uhr stellen - leider hat sie, die Unsterbliche, diesen Winter nicht überlebt. Werde eine neue kaufen, aber nur, wenn der Gärtner sie nicht Currykraut nennt!

Dienstag, 28. April 2009

Tausendschön



Wie versprochen ein kompletter Post für das Gänseblümchen, bellis perennis = die dauernd Schöne, Korbblütengewächse: Ähnlich wie Ringelblume und Kamille wird auch dem Gänseblümchen in der traditionellen Pflanzenheilkunde ein Bezug zur Haut nachgesagt. Innerliche sowie äußerlliche Anwendungen traditionell bei allen entzündlichen und/oder eitrigen Hautproblemen sowie Wunden. Verwendung finden die oberirdischen Pflanzenteile im frischen oder getrockneten Zustand. Und wer eine ganz feinstoffliche Beziehung mit bellis perennis pflegen möchte, sammle im Morgengrauen eine Handvoll Blütchen, lege sie mitsamt Morgentau in frisches Quellwasser, lasse dies alles von der Morgensonne durchstrahlen bis zum Mittag. Dann, wenn die Sonne am höchsten steht, wird alles abgeseiht und das Wasser abends nach der Reinigung und am folgenden Morgen aufs Gesicht gesprüht. Das Rezept habe ich vor Jahren in einer Kräutersendung im Radio aufgeschnappt, kann leider keine genaueren Quellenangaben dazu machen und habe es inziwschen bestimmt auch schon verfremdet. Ätherisches Öl enthält das Gänseblümchen nur wenig, dafür aber andere wirksame sekundäre Stoffwechselprodukte. Die Bitterstoffe machen es für die Küche interessant und es gehört zu den traditionellen Frühjahrsentschlackungskräutlein. Sicher wirkt dieses hübsche, allegegenwärtige Pflanzengeschöpfchen viel mehr auf einer subtileren Ebene, die nicht in Flavonoid- und Saponingehalt ausdrückbar ist. Wer verbindet nicht die liebsten Kindheitsfühlingserinnerungen mit dieser gegenwärtigsten aller Blumen? Bitte nicht den üblichen Gänseblümchenbescheidenheitsquatsch assoziieren! Was hat denn diese flächendeckende Ausbreitung mit Zurückhaltung und Bescheidenheit zu tun? Maßloses Maßliebchen: Liebenswerteste Verschwendung der Natur, das Leben in Fülle! Süße kleine Orakelblume, der selbst das Blättchenauszupfen mit Babyspeckfingerchen und ungeübter Motorik nichts anhaben kann - es sind genug Blümchen für alle Kinder da! Wer hat nicht schon früher und vielleicht auch heute noch immer wieder Kränzchen aus ihr geflochten? Wird daher nicht ihr Anblick uns Jahr für Jahr aufs Neue die Sorgenfalten aus dem Gesicht glätten? Und das verleiht uns kindliche Schönheit, zeitloses Glück und tiefste Naturverbundenheit. Macht die Augen und die Herzen auf, denn wahre Schönheit kommt von innen und gehorcht keiner Mode!

Welche Synonyme gibt es denn noch für das Gänseblümchen? Ich sammle sie alle! Bin gespannt auf Varianten aus Österreich, der Schweiz, dem Norden und wo Ihr tausend Schönen sonst so alles seid! Und was haben Eure Omas mit den Gänseblümchen gemacht?

Mittwoch, 22. April 2009

Corpus delicti

Sind wir auf dem Weg zur Gesundheitsdiktatur? In der Presse wird der neue Roman "Corpus delicti" von Juli Zeh als neue George Orwell Prophezeiung gehandelt. In Bayern 2 Zündfunk http://www.br-online.de/podcast/mp3-download/bayern2/mp3-download-podcast-zuendfunk-generator.shtml kam die Autorin zu Wort. Interessante Denkanstöße: Ersetzt der Körperkult in der säkularisierten Welt die Religion? Verwandelt sich unser ursprünglich auf Solidarität basierendes Gesundheitssystem in sein Gegenteil? Wird Gesundheit zur Pflicht, um Kosten zu vermeiden? Wie weit wird die Überwachung unserer individuellen Anstrengungen zur Gesundherhaltung in den nächsten Jahrzehnten voranschreiten? Sind die Bonuspunkte, welche einzelne Krankenkassen ihren Versicherten für dieTeilnahme an Fitnesskursen anrechnen, schon der erste Schritt zur totalen Kontrolle? Für meine tägliche Gartenarbeit bekomme ich jedenfalls keine Bonuspunkte von der Kasse. Dabei ist Gartenarbeit nachweislich der Gesundheit sehr zuträglich. Bonus hin oder her: Mir gehts gut im Garten und ich hoffe, dass ich auch in zehn Jahren noch genug Zeit dafür haben werde und wir nicht alle irgendwelche Pflichtsunden in Fitnessclubs absitzen müssen!

Und nun Themawechsel! Fortsetzung der einheimischen Beikräuterbotanik: Das ist der kriechende Günsel, ajuga reptans, wird gerne mit der Gundelrebe verwechselt, hat auch schöne blaue Lippenblüten aber keine gerüschten Blätter. Ätherisches Öl dürfte er kaum enthalten, jedenfalls riecht er nur grasig, wenn man ihn ein wenig reibt. Mir fällt spontan keine Heilaussage ein, außer dass der lustige Name das Herz und das wunderbare Blau das Auge erfreuen. Bin gespannt, ob es jemanden unter meinen werten LeserInnen gibt, der oder die Günselkaffee oder Ajugapudding kochen... Ich lerne gerne dazu!

Montag, 20. April 2009

Alte Bekannte


Beim saisonbedingten Beikräuterbändigen begegnen wir uns jedes Jahr: Frau Gundelrebe (glechoma hederacea) ist eine allgegenwärtige jedoch nur selten lästige Gartenmitbewohnerin. Sie macht sich nicht wie Giersch, Brennessel, Fingerkraut oder Löwenzahn wild überall breit. Natürlich sind das alles super leckere Frühjahrsentschlackungsgemüse und machen sich in Saucen, Salaten und als Spinatersatz durchaus verdient. Aber mal ehrlich: Bei aller Wild- und Unkrautgemüseeuphorie sind mir die Erdbeeren, für die ich zur Zeit täglich die "Beikräuter" in Zaum zu halten gezwungen bin, wesentlich lieber und ich wünschte, sie würden mir nur in annähernd so großer Menge wie der Giersch zur Verfügung stehen! Ein Lob auf die Gundelrebe, sie ist die Einzige, welche den Namen Beikraut wirklich verdient: Fast habe ich den Eindruck, sie wisse genau, wo ihre Grenzen sind. So ist sie sowohl im Gemüse- als auch im Ziergarten eine hübsche natürliche Beeteinfassung, wagt es aber nur selten, mit den Kulturpflanzen in direkte Lebensraumkonkurrenz zu treten. Ihre adrett gerüschten Blätter gestalten den Übergang von Kultur zu Wildnis auf unnachahmlich sanfte Weise. Mal kriecht sie malerisch zwischen Steinen und Wurzeln, mal reckt sie ihre Stängel aufrecht in die Frühlingssonne. Lavendelblaue Blüten an verspielten Ranken bereichern den Frühjahrsblütenteppich nicht nur in der vollen Sonne sondern auch in den Ecken des Gartens, die auf ihre Wachküssung noch warten. Als Heilpflanze ist sie unter dem Namen Gundermann - passt meiner Meinung gar nicht, sie sieht doch so gundelig weiblich aus! - vor allem bei Hildegard im Einsatz. Sie ist ein typisches Fastenzeit-Bitterkraut, wurde früher auch als Bierwürze verwendet, regt Leber- und Gallefluss an. Bei ländlichen Frühjahrsriten zum Schutz des Viehbestands kam die Gundelrebe in der Zeit, als das Wünschen noch geholfen hat, häufig zum Einsatz. Beispielsweise zum Kränzlein gewunden über der Stalltür. In der modernen Phyto-Therapie spielt glechoma allerdings keine Rolle. Schade: Sie duftet interessant! Es sind die Blätter, die wie ihre berühmteren Lippenblütlerverwandten bei Berührung ätherisches Öll und damit Duft verströmen. Habe mich mal auf die Suche nach Gundelreben-Destillat gemacht und bin bei den Maienfelsern fündig geworden: Da gibt es doch tatsächlich das Hydrolat! Einen Versuch ist es bestimmt wert, werde es auf meine Wunschliste setzen. Vielleicht probiere ich es aber auch mal mit Eigenproduktion. Bis dahin dürfen ihre Blüten den Brennesselspinat zieren.

Freitag, 17. April 2009

Balsam-Basis


Statt einen Antwort-Kommentar zu erstellen, nehme ich Mirjams Frage gleich als Anlass für einen neuen Post: Balsame sind in der Anwendung häufig kommoder als triefende fette Massageöle und können diese beinahe immer ersetzen. Hat man eine Basis, sind der Fantasie und den zu behebenden Beschwerden eigentlich keine Grenzen gesetzt: Balsame können mit Wirkstoff- und ätherischen Ölen unendlich variiert werden. Mein Strahlenbalsam mit Sanddornfruchtfleischöl ist nur eine der vielen Möglichkeiten.
Basis (frei nach Eliane Zimmermann) für Balsame: Jojoba- und oder Mandelöl fiftyfifty mit Sheabuttter. Je nach Hauttyp kann auch anderes flüssiges fettes Öl genommen werden. Kokosöl ist in Sonnenbalsamen ganz nützlich, weil es kühlend wirkt. Manche fette Öle haben einen natürlichen LSF, allerdings keines höher als LSF 4/5. Johanniskrautmazerat verbietet sich im Sonneschutzmittel genauso wie Bergamotte als Duft: Das könnte böse Überraschungen geben! Auch die anderen Zitrusschalenöle und Angelika führen den Lichtschutz ad absurdum. Wichtig ist das Verhältnis flüssige Öle zu festen Fetten (Kakaobutter gibt auch eine schöne Konsistenz)ungefähr 1:1. Alles zusammen sachte schmelzen in einem geeigneten Gefäß auf der Nachwärme der Herdplatte, auf der Heizung, dem Kachelofen, den sonnendurchglühten Terracottafließen oder unterwegs auf der warmen Motorhaube und rühren beim Erkalten. Ätherische Öle (auf 20ml Tiegel bzw. Minimarmeladenglas so um die 6-8 Tropfen, je nach Duft) frühestens bei Handwärme rein! Wer nicht rühren will, muss fühlen: Manchmal wird die Konsistenz von alleine sahnig, manchmal eher grobkörnig: reine Glückssache aber die Wirkung bleibt.