Freitag, 17. Oktober 2014

Kopf hoch


Ein seit einigen Wochen andauerndes Experiment, das ich von einer sechsjährigen Forscherin übernommen habe führt zu erstaunlichen Ansichten.

 Ich stell (bzw. lege, setze, bücke) mich unter die Dinge und wende dann den Blick nach oben:
Wir Erwachsene versuchen uns durch eine sogenannte Drauf- die ersehnte Übersicht zu verschaffen. Wie aussichtslos, wenn sich dabei immer neue Einblicke in neue Problemfelder eröffnen! 

Viel erbaulicher fand ich es in letzter Zeit alles von unten zu betrachten. Statt Chaos, kann man da meistens den Himmel sehen (oder aber auch die Unterseite vom Bügelbrett, Schreibtisch, Wäschespinne). Mit folgenden Nebenwirkungen ist zu rechnen: die Nackenmuskulatur, die Augen. die Stirn, die Kiefer entspannen sich, die Gesichtszüge werden weich, der Atem fließt angereichert mit Himmelsblau durch den Körper...
Es entsteht eine Grundhaltung des Staunens: leicht geöffneter Mund, große Augen, offenes Herz, langgestreckte Kehle. Positive Auswirkung auf alle Bereiche des Lebens garnatiert. Kann ich nur zur Nachahmung empfehlen. Allerdings natürlich ohne Gewähr und Methode. Schließlich bin ich noch in der Experimentierphase. 
Meine Untauglichkeit zur Wissenschaftlerin ist bedingt durch mangelnde Bereitschaft zur Dokumentation, daher gibt es nur ein paar wenige und auch nur die wirklich dekorativen Fotos (wer will schon mein Bügelbrett von unten hier sehen?) von meiner Perspektivforschung. Staunen kann ich immer noch am besten ohne Linse zwischen mir und dem Himmel! Übrigens auch wenn es regnet- das kitzelt so lustig...



Dienstag, 7. Oktober 2014

Sechs Saiten suchen eine Heimat

Seit einigen Jahren macht die Gitarre dem Klavier den ersten Platz in der Rangliste der beliebtesten Einstiegsinstrumente streitig oder liegt zumindest ganz dicht dabei. Solider Gitarrenunterricht geht meist von der klassischen Spielweise aus, weil sie Kindern den Weg in alle andere gitarristischen Felder ebnet. Viele finden nach anfänglichem Befremden der ungewöhnlichen Sitzhaltung und Spielweise gegenüber schnell Gefallen an der Musik, die dabei herauskommt. Der zarte Klang, die vielen Ausdrucksmöglichkeiten begeistern, auch wenn sich Kinder und Eltern zunächst etwas ganz anderes unter Gitarre spielen vorgestellt haben. In der öffentlichen Wahrnehmung gibt es hauptsächlich die E-Gitarre oder die sogenannte Westerngitarre. ("Hä, wo steckt man denn das Kabel in Deine Gitarre?")Wo hören oder sehen Kinder, die nicht aus entsprechend vorgeprägtem Umfeld stammen, schon mal jemanden klassisch Gitarre spielen? Und trotzdem lernen die meisten sie lieben! Auch die zuhörenden Eltern zeigen sich angetan vom klassischen Repertoire und freuen sich, welche Klangwelten sich abseits des Mainstream da auftun. Der Klang der Gitarre polarisiert nicht, er verbindet Generationen und Menschen unterschiedlichster Lebensweise. Der Gitarre eilt kein elitärer Ruf voraus, obwohl es klassische Gitarrevirtuosen von Weltrang gibt. Einsteigermodelle sind erschwinglich, sie ist eine für alle. Es gibt keine Berührungsängste. Selbst Leute, die von sich behaupten, mit klassischer Musik nix am Hut zu haben, lassen sich verzaubern und staunen dann über sich. Was für eine Chance für das Instrument! Und was für eine Enttäuschung, wenn die jungen klassischen Gitarristen nach 2-4 Jahren Unterricht dann an der weiterführenden Schule feststellen müssen: Im Schulmusikleben hat mein Instrument keinen Platz. Chor und Orchster kommen ohne klassische Gitarre aus, Kammermusik gibt es wenig und wenn dann für Streicher. Für Bigband oder Schülerband müssen wir das Fach, also den Stil wechseln. Natürlich geht das, da der moderne Unterricht auf der Konzertgitarre selbstverständlich auch Einblicke in die meisten beliebten Stile eröffnet und dafür Grundlagen schafft. Und trotzdem tut sich für die meisten Gitarrenschüler erstmal ein Abgrund auf, wenn sie ihre Bläser- oder Streichermitschüler über die ersten Orchsterproben schwärmen hören und selber keine Gelegenheit zum Ensemblespiel im Schulalltag bekommen. Es gibt noch zu wenige Gitarreklassen, aber es gibt sie - wir müssen nur danach immer wieder fragen und hartnäckig bleiben! Ein Appell an alle Musiklehrer, Chor- und Orchesterleiter: Gebt der klassischen Gitarre ein zu Hause in der Schulmusik! 

Dienstag, 25. März 2014

Und tschüss

Ab April gibt es hier nur noch selten Neues. Für meine Arbeit besteht keine Notwendigkeit mehr, sie hier anzupreisen. Meine Zeit ist ausgefüllt mit lauter erfreulichen, erfolgreichen Tätigkeiten. Dafür bin ich sehr dankbar und setze mich mit meiner ganzen Inspiration dafür ein. Die Bloggerei ist nicht mehr das, was sie für mich einmal war: Platz für Austausch rund um das Thema Aromatherapie. Die Resonanz hat stark abgenommen. Andere social media haben diese Funktion übernommen, lange Texte liest keiner mehr. Textbausteine werden trotzdem weiterhin ohne Quellenangabe geklaut - eine höchst unerquickliche Form der Anerkennung. Gedankenfetzen und Aktuelles gibt es von mir weiterhin  manchmal auf facebook.
KundInnen, SchülerInnen und alle, die sich für meine Arbeit weiterhin interessieren, können mir gerne eine Mail schreiben mit Postanschrift. Es wird vierteljährlich sowas wie einen Newsletter geben, vielleicht sogar in gedruckter Form.
Habt Dank für treue Leserschaft bis hierhin! Ich gehe, wohin der Weg mich führen mag und freue mich über alle musikalischen, duftenden und inspirierenden Begegnungen!

Sonntag, 2. März 2014

Tolle Tage

Bunt tut gut. Selbst wenn man nicht akitv am närrischen Austreiben des, nunja, "Winters" teilnimmt. Müdigkeit, Infektanfälligkeit und Antriebsschwäche erreichten vergangene Woche bei vielen Zeitgenossen den saisonüblichen Höhepunkt. Selten so viel Rosmarin und Grapefruit unter Nasen aller Altersgruppen und Geschlechter gehalten. Und wie schön, wenn man dann die Sonne in den dazugehörigen Gesichtern aufgehen sieht, tags darauf gar neue Farbtupfer in der Garderobe! Am tollsten aber war eine Begegnung mit dem Schatzkästlein einer lieben Kundin. Sie hatte originalverschlossene ätherische Kostbarkeiten vorbildlich kühl und dunkel gelagert und vergessen: Im Keller, seit Jahren. Die Frage war, was noch zu brauchen sei aus der ätherischen Hausapotheke. Teebaum, Kiefer, Lemongrass - die ganzen reaktionsfreudigen Frischlinge eben, hatten trotz Luftabschluss und Dunkelhaft den Weg ins Freie geschafft: Es war zum Teil bis zu einem Viertel verduftet und der Rest war fast zur Unkenntlichkeit oxidiert. Auch die Orange (MHD Juli2012) hatte einen deutlichen Stich und taugt höchstens noch als Ameisenschreck. Unglaublich gut roch aber noch die Zitrone, da habe ich für die Raumluftbeduftung grünes Licht gegeben - Körperkontakt würde ich mit so einer antiken Zitrusfrucht vorsichtshalber meiden, auch wenn sie noch so gut riecht. Bergamotte, Lavendel, Geranie - trotz MHD-Überschreitung von 18 Monaten überzeugen mit einem runden, überaus typischen aber viel tieferen, reifen Duft. Diesen kann ich bei frischen Chargen nur ahnen. Würde ich mich in einer 1%igen Verdünnung im Körperöl schon trauen. Erwartungsgemäß waren natürlich Rose (dest), Jasmin und Sandelholz, die ich aus Ehrfurcht eigentlich auf Knien hätte öffnen sollen, ein olfaktorischer Traum, der nur alle paar Jahre in Erfüllung geht. Den Oscar für die beste Nebenrolle im Duftantiquariat erhält der Muskatellersalbei: Wow, was für eine reife Leistung! Er hat in den Jahren im Verließ alle krautige Modrigkeit und den oft beklagten Muff in vollendete Balsamschwere, pudrige Gewürzeleganz und seelentröstende Süße verwandelt. Ein idealer Begleiter aus der winterlichen Trägheit hinaus ans Frühjahrslicht!

Mittwoch, 19. Februar 2014

Grüner Winter und Wintergrün

Wem meine zwanghaften Wortspielereien immer schon leicht auf die Nerven gingen, der sollte lieber gleich wegklicken und ein gutes Buch lesen: z.B."Wie mache ich aus einem Elefanten wieder eine Mücke?" von Theo Ilzermans und Roderik Bender (zum Verlinken bin ich zu faul, muss auf die Tantiemen aus Amazonien wegen menschlichem Versagen verzichten). 
Alle anderen begrüße ich nochmal wärmstens  zu einem der raren Blogposts in diesem wärmsten Winter des Jahrhunderts. Vielleicht wird Klimajammmern bald olympische Disziplin - das würde wenigstens die Ressourcen unserer Schöpfung schonen. Aber wir haben uns heute aus einem anderen Grund ums virtuelle Lagerfeuer versammelt:
Liebe MitschamanInnen und Heilungswilligen! Eigentlich wollte ich mich längst aus der online immer doller wuchernden Kommerzialisierung (gerne getarnt als Professionalisierung) der Aromatherapie ausklinken. Das kann ich nach meinen jüngsten Selbstversuchen doch nicht, es wäre unterlassene Hilfeleistung. Wer je eine Muskelansatzreizung am Wadenbeinkopf hatte, weiß, was Schmerzen sind und dass quasi nichts dagegen hilft. Das dachte ich auch und griff in größter Not zu einem meiner, naja sagen wir, olfaktorisch schwierigsten ätherischen Freunde. Den äh  "Duft" halte ich wirklich nur aus, wenn es mir richtig dreckig geht: Wintergrün gaultheria fragrans, Bazooka Joe alter Kumpel (!!!benannt nach einer Knarre!!! Den Schmerz einfach wegschießen, hey) Kaugummigestank, Methylsalicylatbombe gemischt mit Johanniskrautmazerat und Myrte Anden, (selten und nur von einer Firma erhältlich) in einem frei zu bestimmenden Mischungsverhältnis und zack drauf auf den Schmerzherd. Nach wenigen Minuten befreit aufatmen, weil's wirkt sofort oder gar nicht. Bis zum Abklingen der Beschwerden häufig wiederholen. Es sei denn, man beobachtet Hautreizungen oder Übelkeit wegen Duftunverträglichkeit, schon klar oder?! Gut lüften! Und nie wieder über grüne Winter, schlechtes Wetter, laues Wetter, trübes Wetter, Wetter, Wetter, Donnerwetter, und andere Nebensächlichkeiten schimpfen, wenn der Schmerz nachlässt. Das Leben kann so schön sein ohne Schmerzen. Lieber mal über winterliche Zwangshandlungen wie z.B. Skifahren nachdenken. Wer schreibt eigentlich vor, dass die ganzen Alpenanrainer sich von November bis März in quietschbunten Plastikverkleidungen auf sauteuren Kunststoffbrettern künstlich verschneite Abhänge runterstürzen oder sich auf den letzten drei natürlich gefallenen Schneekristallen mit Plastikeimern an den Füßen gegenseitig auf diesen herumtreten müssen, damit sie mit dem Winter 13/14 zufrieden sein können? Ja mei, mia san halt Naturburschn und wer's nicht glaubt, den daschiaßn mia mit der Schneekanone! Wann kommt jetzt das nervige Wortspiel? Hmm, Fehlalarm für diesmal. Und was soll der Krokus? Blicke auf sich ziehen! Pastelle Blütenfotografien sind ein optisches MUST in der Aromabranche, eh wurscht ob's mit dem Inhalt zu tun hat.

Dienstag, 21. Januar 2014

Was riecht denn da so gut?

Diese Frage höre ich täglich. Vor allem Kinder zeigen sich richtig gierig, wenn ihre erstaunten Näschen von natürlichen Düften beschmust werden. Nicht nur im Musikunterricht kann ich es ständig beobachten, wie sehr sich der ganze Mensch mit zarten Düften entspannt, aufhellt und durchlässiger wird. Dabei spielt es meiner Erfahrung nach eher eine untergeordnete Rolle, welche Düfte ich wähle. Ja Ihr habt richtig gelesen: es ist fast wurscht, ob ich Geranie oder Orange oder Zypresse verdufte. Ein "BÄH, was stinkt da so" habe ich noch nie gehört und auch nicht in Gesichtern lesen müssen. Bei Leuten, die aus einer konventionell riechenden Umgebung kommen (und nebenbei bemerkt oft leider auch sehr konventionelle synthetische Geruchsspuren bei mir hinterlassen), lösen diese Riecherfahrungen immer eine positive Reaktion aus - sofern ich nicht zu viele Düfte miteinander mische und zurückhaltend dosiere. In meiner Aromapraxis können schon fünf Tröpfchen im obigen Vernebler zu viel des Guten sein. Ansonsten bedufte ich gnadenlos egoistisch und seeeehr abwechslungsreich. Das Feintuning bei der Wahl der Essenzen findet natürlich an anderer Stelle statt. Manche Schüler wollen alles so perfekt können, dass das Musizieren sehr eckig ist und die Melodie nicht zum Fließen kommt. In diesem Fall kann ich mit einer zarten Rosengeranie in der Raumluft den musikalischen Flow geradezu auf Knopfdruck herstellen. Dass Zypresse die erste Wahl ist für alle, die sich als Anfänger mit der ungewohnten Haltung am Instrument unglaublich schwer tun und dabei immer wieder aus ihrer Mitte flutschen, versteht sich fast von alleine. Die  Duftcocktails aus Waschmittel, Parfüm, Pfannkuchen, nasser Hund und wasweißich, die an Tagen mit viel Publikumsverkehr im Haus bleiben, bekomme ich übrigens nach großzügigem Stoßlüften mit einer Weihrauch-Salbeimischung im Vernebler wieder raus.