Donnerstag, 25. März 2010

Also schön


Hatten wir wirklich geglaubt, nach diesem langen Winter mit den ersten Sonnenstrahlen alle Sorgen für immer vergessen und den langersehnten Frühling unbeschwert genießen zu können? Jetzt ist er gerade ein paar Tage alt, das Blühen und Grünen - vor ein, zwei Wochen noch jenseits unserer Vorstellungskraft - ist zur Selbstverständlichkeit geworden. Und manchen auch schon zur Last. Erste Pollen fliegen und trüben einigen bedauernswerten Zeitgenossen den Blick auf die Schönheit der Natur. Am 6. Mai letzten Jahres habe ich ein Rezept für ein Gesichts- und Rachenspray zur Symptomlinderung bei Pollenallergien gepostet, Stichwort "Allergien".
Ansonsten gehts uns doch jetzt allen prima! Was!? Wer gähnt und stöhnt da hinten so herzhaft? Achso! Der Winterschlaf wird prompt von der Frühjahrsmüdigkeit abgelöst. Meine Hilfe: Grapefruit extra immer in Reich- und Riechweite und bei jedem Gähnen ein Näschen voll inhalieren. Macht garantiert putzmunter und wischt noch die letzten Winterstaubflusen aus dem Gemüt. Das Wortspiel mit Frühjahrsputz erspare ich uns an dieser Stelle. Obwohl: Wenn wir dann schonmal fit sind, können wir ja gleich alle alten Ölefläschchen mit "Stich" (die oxidierten Zitrusfrüchte vor allem) einem Leben nach dem Tode zuführen und sie ins vorösterliche Putzwasser geben oder erste Ameisentrupps in die Duftschranken weisen, Klebefilmspuren von der Weihnachtsdeko mühelos entfernen - hach es gibt so viele Möglichkeiten mit ätherischen Ölen Ordnung zu schaffen! Gleich noch die Wintergarderobe mit lavendelgeraniepatchoulizederundso bedufteten Tüchern einmotten. Und schon erstahlt das ganze Haus und duftet - Achtung jetzt kommts -aprilfrisch, holladühjö. Zur Belohnung bereiten wir uns ein ausgleichendes, wir haben die Fläschchen noch von vorhin parat, Geranien-Zedern-Bad nach getaner Arbeit. (Ist diese tantenhafte erste Person Plural nicht entzückend spießig??? Wie 50er Jahre Hausfrauenratgeber. Wir müssen dringend unsere Lektüregewohnheiten überdenken.)
Oh wonnigliches Frühlingserwachen, dann steht Dir aus aromatherapeutischer Sicht nichts mehr im Wege und der Blick öffnet sich für Deine Pracht jenseits von Pollenflug und Arbeitswut:

Donnerstag, 31. Dezember 2009

Récréation

Das französische Wort für Pause heißt dirket übersetzt Wiederschöpfung. Das macht die Natur zyklisch immer im Winter. Wir Menschen dagegen schöpfen aus dem Vollen. So lange bis das Volle leer also erschöpft ist. Nennen wir es also schöpferische Pause. Die Kräfte sammeln, Prioritäten umdefinieren, die Schaffenskraft bündeln. Dank fürs treue Lesen bis hierhin, für Lob und Zuspruch, fürs Mitdenken. Fürs neue Jahr alles Gute! Die Aromapraxis besteht weiter, ich freue mich über jede Begegnung in diesem Zusammenhang!

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Fehl am Platz

Die Worte Hektik und Stress belegen zur Zeit die ersten beiden Plätze der Wortschatztopten in meiner Praxis. Alle Jahre wieder dieser Etikettenschwindel in der angeblich so besinnlichen Adventszeit! Die Nerven liegen bei vielen blank, das Immunsystem geht in die Knie. Eine Verpflichtung jagt die andere, Unzufriedenheit und Erschöpfung machen sich breit. UÄÄ - ist denn niemand mehr gut gelaunt hier? Wie wäre es mal mit abheben? Ein genussvoller Trip zwischendurch? Neinein, nichts was nicht mit dem Betäubungsmittelgesetz zu vereinbaren wäre: Nur ein Priserl griebene Tonkabohne in den Orangen-Kardamom-Kakao. Sofortige Aufhellung der Mimik und Entspannung der Muskulatur im Nacken, Gesicht und Rücken garantiert. Aber bitte nicht zu sehr entspannen: Tonkabohnen enthalten viel Cumarin und das kann in hohen Dosen lebertoxisch sein. Und deshalb Oh Schreck: Tonkabohnen sind als Lebensmittelzusatz gar nicht zugelassen. Da müssen wir mal bei Eliane nachlesen, die hat dazu schon irgendwann mal gepostet - bin zu faul zum Recherchieren, vielleicht findet jemand den Link und stellt ihn freundlicherweise in die Kommentare? Ich lasse mir inzwischen meinen Gewürzschoki mit weiteren geheimen Zutaten schmecken. Da kommt nämlich auch noch was vom bösen Zimt rein und ein winzig kleiner Schuss Rosenwasser und wenn ich völlig über die Stränge schlage, raspele ich noch etwas Ingwer dazu. Aber das artet ja schon wieder in Arbeit aus - ich wollte mich doch entspannen. Und was sonst noch hilft: "Es wird scho glei dumpa", am schönsten in F-Dur auf der Gitarre und dazu summen, Buchenholz im Kamin und bastelnde Kinder am Esstisch! In diesem Sinne: Besinnts Euch Ihr Leut, kein Grund zur Hektik: Weihnachten kann gar nicht vor der Tür stehen, wenn Ihr es nicht innen werden lasst!
Foto: Ein vor fünf Jahren Vierjähriger hat seinen Blick auf Weihnachstdeko festgehalten und freut sich heute über das Erinnerungsfoto, weil der Hase schon längst durch die ewige Spielzeugkiste transzendiert ist - oder wie man da sagt.

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Striptease am Geblogstag


Seit einem Jahr gehöre ich nun zu den Mädels vom Blogsberg. Vieles ist inzwischen keine Hexerei mehr. Die ursprüngliche Idee war ja, dass ich hier statt einer Homepage (die ich immer noch nicht auf die Reihe kriege) Informationen über meine Aromapraxis für meine Kundinnen übersichtlich zusammenstelle. Schließlich wollte ich ja nie zu den online-Seelenstripperinnen gehören, für die ich vormals alle Blogschreiberinnen gehalten hatte. Und sowieso das Internet: In der deutschen öffentlichen Wahrnehmung immer mit Abzocke und Pädophilen verknüpft. Also musste ein vernünftiger Grund her. Da kam mir Elianes Impuls gerade recht und ich bin ihr sehr dankbar dafür! Aber ach die Vernunft - Schiller sagt sinngemäß über sie, dass die Welt mit Vernunft allein in Barbarei verkommen würde... So gebe ich nach einem Jahr gerne offen zu: Aus dem anfänglichen Werbemedium für mein Geschäft ist für mich eine Bühne zur Inszenierung meiner Eitelkeiten geworden. Schreiben und gelesen werden, ab und zu Beifall bekommen! Dabei mich auch noch einigermaßen berechtigt in dem Glauben wiegen, mit den Textchen hier und da für Hilfe zur Selbsthilfe zu sorgen. So ist allen geholfen und zur Feier des Tages schenke ich Euch wie versrpochen mein Rezept für stimmungsvolle Adventsbeduftung: Für den Fall, dass mal keine Plätzchen im Backofen vor sich hinduften und man einen glühweinfreien Tag einlegen möchte. Danke allen Kommentatorinnen fürs Rezeptteilen - sehr inspirierend Eure Anregungen! Und Vorsätze für die Blogzukunft? Auf jeden Fall nie mehr so schlüpfrige Fotos wie das heutige!!! Ansonsten: Weiterschreiben und gelesen werden und ab und zu...

Advent 2009 - Mischung zur Raumluftbeduftung

2ml Pfeffer schwarz
1ml Benzoe
3ml Grapefruit extra
10 Tr. Gewürznelkenknospen
20 Tr. Douglasie
6 Tr. Love in a Mist (eine Sensation auch pur, Firma farfalla)
... das ist der Vorrat für den ganzen Advent, nicht die Portion für eine Anwendung!!!!

Donnerstag, 26. November 2009

Saisonale Duftbelästigung


Es ist wieder soweit: Geruchsbelästigung zur Erzeugung saisonaler Kaufräusche macht feinen Nasen das Leben schwer. Akustischem Vorweihnachtsterror kann man immerhin noch einigermaßen entkommen, indem man (wie auch immer) die Ohren verschließt. Die Luft bis nach den Feiertagen anzuhalten, ist zur Riechnervenschonung allerdings nicht möglich. Rücksicht und Fingerspitzengefühl sind gefragt. Dazu nur drei einfach zu erfüllende Bitten: Lasst ab und zu Frischluft rein! Nehmt wenigstens Düfte aus der Natur! Nach einer halben Stunde spätestens eine Beduftungspause einlegen. Alternativen zum allgegenwärtigen Zimtsüßkleister in den Duftlampen der Nation gibt es hier demnächst. Vielleicht verraten ja auch einige treue LeserInnen ihre liebsten Adventsraumluftverbesserungsrezepte? Und hier noch ein bisschen Ringelnatz zum selbstkritischen Naserümpfen (bei zweitausendeins gibt es gerade eine günstige Ringelnatz-Ausgabe):


Ein Geruch und ein Gestank
Hatten einen Zank.
'Ich lasse mich nicht,' rief der Gestank,
'Von deiner Suesslichkeit überschminken!''
Mein Herr, sind Sie denn riechnervenkrank?
Merken Sie gar nicht, wie Sie stinken?''
Was kümmert's dich, du bisamischer Schuft?
Bleib mir vom Leibe!''
Nein, solch ein Stunk gehört an die Luft!
Sie werden sehen, wie ich Sie vertreibe.
''Du Lüftchen, ich werde dich gleich verschlucken!
Dich scheint der Moschus am Nabel zu jucken.''
Genug, mein Herr, ich merke, Sie sind
Kein Gent. Ich spreche hier gegen den Wind.
'Es schwebten gerade zwei
Ältere Damennasen vorbei.
Sie wussten ihren Unmut zu zügeln,
Rümpften und zitterten mit den Flügeln.

Mittwoch, 18. November 2009

Die schweinische Kehrseite


... der Papiertasche, die ich zur Illustration des letzten Posts hergenommen hatte. Ein Ausschnitt aus dem Gemälde "Der Heilige Antonius" vom Zürcher Veilchenmeister Mitte des 16. Jahrhunderts gemalt. Sorry für die Bildqualität. Zu bewundern ist dieses und andere Werke aus dieser Zeit in der Johanniterhalle in Schwäbisch Hall. Sehr empfehlenswert! Die Zeiten haben sich nur scheinbar geändert: Die Ängste, der Hass, die Faulheit und der Neid der Menschen haben im Wandel der Zeiten nur jeweils neue Projektionsflächen gefunden.
Aber nun zu einer anderen Schweinerei, die ich den Teilnehmerinnen meines gestrigen Vortrags in Stegaurach versprochen habe: Himmlische Düfte und irdische Genüsse - hier das Rezept für die sauguten schokoladigen Stimmungsaufheller (über deren Reste sich meine hocherfreuten Kinder schon hergemacht haben...):
Zutaten
200g Zartbitterschokolade
4 El Kakao
150g Zucker
150g Butter
100ml Sahne
3 Eier
1TL Backpulver
200g Mehl
1Tl Backpulver
1 Prise Salz
5 Tropfen Orange süß
3 Tropfen Kardamom
4 Tropfen Vanille
100g Schoki und die Butter schmelzen. Alle anderen Zutaten außer die restl. Schoki mit der geschmolzenen Butterschokolade verrühren, schön homogen und fettglänzend wird das... Zum Schluss noch die grob gehackte restliche Schokolade unterheben. Auf ein Backblech streichen bei ca 180 Grad 20-30 Minuten backen, in Quadrate schneiden und essen oder noch verzieren.
Bei den ätherischen Ölen bitte nur einwandfreie Qualität verwenden! Wenn die Schoki, der Kakao und der Zucker fair gehandelt sind, wenigstens für die Weihnachtsbäckerei, wird das zwar teurer, dann überfressen wir uns aber vielleicht nicht auf die Kosten der Erzeuger. Und schmecken tun faire Bioschokostimmungsaufheller sowieso viel besser, weil der braune Mascobadozucker einen ganz herrlich malzigen Eigengeschmack hat!
P.S.: Vielen Dank für die motivierenden Kommentare zu den letzten Posts! So ein bisschen Schulterklopfen tut doch gut in dieser einsamen Zeit der Berührungszurückhaltung wegen Ansteckungsgefahr und anderer Zwischenmenschlichkeitsversagen.

Freitag, 13. November 2009

Nachdenken über Schweine und Grippe


Ein lästiges Thema! So große Unsicherheit in Bezug auf die Einschätzung der tatsächlichen Gefahr. Eine Glaubenskrise: Welchen Autoritäten soll und kann man da jetzt guten Gewissens folgen? Immer diese Widersprüche! Ach, wenn da doch einer wäre, der uns sagte, wo es WIRKLICH lang geht! Vertrauen wir gemeinsam auf die superkritische Behandlung der Grippe in den Medien: Bis letzte Woche kamen viele Impfkritiker zu Wort, Impfzurückhaltung war angesagt. Aber nun (laut äußerst objektiver Berichterstattung aller Genres und Niveaus) sieht und hört man immer mehr Experten, die sich für die Impfung aussprechen und wir fassen uns ein Herz, es herrscht Andrang auf die Arztpraxen. Dem Herdentrieb sei Dank! Polemisch - ja vielleicht. Impfkritisch? Doch auch. Aber Vorsicht: Hier gibt es jetzt keine endgültige Impfempfehlung. Eigenverantwortliche Selbsterfahrung ist der einzige Ratschlag, den ich machen kann. Mal sehen, wie lange das noch erlaubt ist. Jedenfalls verhalte ich mich so, wie sonst auch in der Grippezeit, weil ich eigentlich noch nie besonders scharf auf Ansteckung mit Influenzaviren war. Aber ich hatte auch noch nie und habe auch heute nicht das Gefühl, völlig hilflos den bösen Geistern ausgesetzt zu sein. Ganz nach dem Motto der Erreger ist nichts, das Terrain ist alles ( ungefähres Zitat von Louis Pasteur, dem H-Milch-Erfinder) versuche ich Jahr für Jahr den Erregern ein möglichst schlechter Gastgeber zu sein und das gelingt mir mit vielen Mitteln mal mehr mal weniger - aber ich tu auch nicht immer alles Vernünftige, sondern gehe spät zu Bett, ernähre mich saisonbedingt viel von Schokolade und anderen Immunschwächern. So habe ich das gute Gefühl, wenn ich wollte, könnte ich noch viiiiel effizienter vorbeugen. Übrigens fahre ich auch Auto, obwohl das zum Tod führen könnte, aber das ist ein anderer Argumentationsstrang... Abegesehen von den Ölchen nehme ich neuerdings auch noch Cistrosenextrakt in Tablettenform ein. Bisher bin ich durch zahllose Menschenmengen, Kindergartenveranstaltungen, Elternabende etc gekommen. Reine individuelle Erfahurng - Schwein gehabt, vielleicht. Meine Lieblingsvirenverscheucher aus der Aromapraxis: Ravintsara (former known as Ravensara), Ysop decumbens, Melisse, Weißtanne, Cistrose - ja Ihr lest richtig, Cistrose die Treue Nothelferin gehört bei mir nicht in die Parfümeurspalette sondern darf statt "zerknitterte Seelchen" zu glätten lieber Viren zerrütten - der unglaublich weichmilde Thymian thujanol fehlt ebenso wenig wie der vor langer Zeit als Zitronenkakao gelobte Eukalyptus staigeriana. Diese Öle kommen in der kalten Jahreszeit in Balsamen und Raumbeduftungen in unterschieldicher Mischung vor. Die Liste der antiviralen Öle ist damit noch längst nicht abgeschlossen. Und diejenige der Maßnahmen zur Sträkung des Immunsystems noch viel weniger. Es sind gegen die Grippe viele Kräutlein gewachsen, glaube ich - und der Glaube kann Berge versetzen! Gegen die zunehmende Entmündigung bei der Gesunderhaltung von Körper, Geist und Seele hilft nur noch beten und früh zu Bett gehen, damit wir ausgeschlafen sind, wenn wir uns eines Tages gegen Zwangsimpfungen und andere menschenrechtswidrige Maßnahmen wehren müssen.

(Mehr über das Gemälde und Schweine gibt es aus Zeitgründen erst zu einem späteren Zeitpunkt)