Mittwoch, 19. August 2009

Badewetter

Eigentlich herrlich: Der Hochsommer prunkt azurblau und dreißiggradheiß pünktlich zum bayerischen Ferienhöhepunkt. Packt die Badehosen samt kleinen Schwesterlein ein und dann nichts wie raus! Aber was passt denn nun schon wieder nicht? Bikinifigur? Sowieso nie! Wespenplage auf der Liegewiese? Hat sich der Trick mit den Kupfermünzen immer noch nicht überall herumgesprochen? Kein Wunder: So wirksam und allgemeinverfügbar ohne jegliches Marketingpotenzial, das wird nicht kommuniziert. Da ist doch nichts damit zu verdienen! Warum es funktioniert, weiß ich nicht, ich habe selber nicht dran geglaubt(Placebo-Effekt kann nicht sein ätsch) und so meinen Augen nicht getraut, als ich mit drei klebrigen Eisschleckermäulchen im Straßencafé bedrohliches Summen vernahm und innerhalb kürzester Zeit die Luft um uns schwarz-gelb gestreift zu sein schien. Einige Kupfermünzen auf den Tisch gelegt und - oh Wunder - fast alle Wespen machten über unserem Tisch kehrt. Nur eine - und das ist übrigens immer so - schwirrte weiterhin etwas ratlos herum ohne uns allerdings gefährlich zu werden. Probierts selber aus, es ist ein Segen! Also Wespen auch kein Grund zum Drinbleiben. Das Problem liegt etwas tiefer in der weiblichen Natur: Die Stachelbeerbeine, von mancher Zeitgenössin auch liebevoll Brennesselstängel gennant. Keine Rose ohne Dornen, haha. Wem auch dieses Motto nicht genügend Selbstbewusstsein für beherzt behaartes Wadenzeigen einflößt, steht mit beiden Beinen vor einem haarigen Problem: Rasieren macht die Borsten nur noch borstiger, epilieren tut weh. Beides sorgt für picklige Hautprobleme an den Waden und nimmt die Lust am Baden. Selbsterfahrungsgemäße Hilfe aus der Aromapraxis - reine Behauptung auf einer absolut nicht repräsentativen privaten Langzeitstudie basierend: Vor dem Epilieren die Beine mit eisgekühlten Rosenwasserauflagen herunterkühlen und schmerzunempfindlich machen. Dann Augen zu und durch. Anschließend Rosenwasser aufsprühen - mein Favorit ist zur Zeit ein Schüttelspray mit drei Tropfen Vetiver auf 100ml Rosenwasser ohne Alkohol, ohne Emulgator. Auf die noch benetzte Haut Kokosöl (kaltgepresstes von den Maienfelsern, absolut unschlagbar!! Nur das kaltgepresste duftet echt nach Kokos, die meisten handlesüblichen sind nachträglich parfümiert!) leicht massieren, das hat einen angenehm kühlenden Effekt. In der Zeit zwischen den Epilationstagen sollte die Haut gut gepflegt werden. Kein Alkohol auf die Haut, also auch Bodylotions mit Alkohol eignen sich nicht zur Pfelge dieser Hautpartien! Wichtig ist die Entzündungsneigung und den Verhornungsprozess zu berücksichtigen. Ein sommerlicher Beinwohlbalsam setzt sich so zusammen:
Sheabutter (harmonisiert die Verhornung, sachte schmelzen siehe auch unter dem Stichwort "Balsam"),
Kokosöl (kühlt, duftet, pflegt, s.o.),
Jojobaöl (guter Freund unseres Hauttalgs),
einigen Tropfen Sanddornfruchtfleischöl (Strahlenschutz, Entzündungshemmung),
einigen Tropfen Calophyllumöl (Lymph- und Venentonikum, gut gegen eitrige Pickelchen). An ätherischen Ölen ein bisschen Lavendel extra und ganz wichtig ein paar Tröpfchen Niaouli, weil das als die aromatherapeutische "Zugsalbe" den sich verirrenden Junghärchen, die gerne eine Kurve wachsen und dabei ins Bein pieksen und so Entzündungen verursachen können, sehr effektiv den richtigen Weg ans Licht weist. Die ungefähren Mengenverhältnisse in dieser Rezeptur (wie eigentlich bei allen meinen Balsamen): Fette Öle zu gleichen Teilen, dazu insgesamt 10%ig die Wirkstofföle (in diesem Falle Sanddorn und Calo), die ätherischen Öle höchstens zu 3% Anteil in die fertige Mischung. Duftmäßig kann man an dem Balsam noch herumbasteln. Abraten würde ich dabei aber von allem was irgendwie zitronig duftet, auch wenn die Versuchung noch so groß ist, das könnte den reizlindernden Effekt eventuell ad absurdum führen. So und jetzt aber raus mit Euch, Ihr Schönen! Räkelt Euch an den Pools, Baggerseen und Freibädern des Freistaats oder wo Ihr sonst Eure Duftspuren hinterlasst und mampft den Wespen das Eis weg, die Wassermelonen und Zwetschgen!

3 Kommentare:

  1. Hallo Ulrike (ich hoffe, dass ich dich mit Vornamen ansprechen darf - ist ja bei der Bloggerei so üblich)!

    Du hast einen sehr interessanten Blog!!!
    Da muss ich wohl öfter mal reinschauen.
    Allerdings habe ich heute keinen Kopf dafür.
    Habe Kopfschmerzen. Bestimmt auch mit äth. Ölen behandelbar. Mein Wissen ist, dass Majoran und Lavendel in einem Trägeröl gelöst gut gegen Mikräne ist. Sollte ich vielleicht ausprobieren.

    Wenn ich mal mehr Zeit und Ruhe habe, werde ich bei dir lesen. Interessiert mich, was du alles so schreibst. Beim schnellen durchhuschen fand ich es sehr interssant. Irre, was du alles weißt!

    Liebes Grüßle, Biene

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  2. Wenn man die Brennesslbeine in Ordnung gebracht hat, hat man erst für den Betrachter von Außen was getan. Da gabs doch mal ein Gesichtsspray, was als wohltuende Dusche für unterwegs und zwischendurch wahres Wohlbehagen bereiten konnte.
    Was war das doch gleich für ein Pflanzenprodukt?

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  3. wie gut, dass hier bei uns die stachelbeine unter kuscheligen leggins verborgen bleiben dürfen und das rosenwasser nur für computergeschädigte augen herhalten muss... danke für deine wieder mal entzückende liebeserklärung!!! meine lektorin drängelt, ähem, könnest du die "prüfung" innhalb der nächsten 8 tage abgeben??? ;-( deine soeur aromatique mit regenlahmer leitung

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