Die Dosierungsfrage ist die Gretchenfrage der Aromatherapie!
"Sag, wie hältst dus mit dem Dosieren?"
Ganzganz dünnes Eis: Ein Tropfen zu viel und alles kann im Eimer sein, Wirkungen können sich in ihr Gegenteil verkehren und Fachleute können einen hohnlachend als totalen Aromatrampel entlarven (ein beliebter Sport in der Szene übrigens, aber das nur am Rande). Entsprechend winde ich mich bei dieser oftmals in gretchenmäßiger Unschuld von Aromaneulingen gestellten Frage wie ein Wurm. Das können Anfänger dann oft gar nicht gut leiden, sie wollen gerne Faustregeln, die in allen Lebenslagen gelten sollen. Und dann komme ich mit meinem genörgelten:"Njämpfnjöö, kommt drauf an welches ätherische Öl, welcher Zweck..."
Seit Tagen brüte ich nun über der Formulierung einer einigermaßen seriösen Zusmmenfassung aller Dosierungsregeln: Habe nun ach Biochemie und Osmologie durchaus studiert mit heißem Bemühn...und bin so klug als wie zuvor. Genug Faust! Jetzt zur Faustregel: Dazu eine schlechte Nachricht - mit Goethe sehr wohl aber mit Fäusten kommen wir in der Aromatherapie überhaupt nicht voran, es ist immer Fingerspitzengefühl gefragt! Und das hängt von folgenden Faktoren ab:
1. Anwendungsart (Raumbeduftung, Kosmetik, Küche)
2. Konstitution (alt, jung, schwanger, allergisch, dick, dünn...)
3. Rahmenbedingungen (hohes Zimmer, viele Fenster, wenig Stoff oder plüschig, niedrig, muffig)
4. Qualität der ätherischen Öle - altes oxidiertes Teebaumöl kann man beispielsweise super pur verwenden, ja, als Toilettendesinfektion oder Ameisenvertreibung, am besten noch das noch ältere und noch oxidiertere Orangenöl mit dazu, aber bitte Handschuhe tragen!
- Raumbeduftung: Dosierung richtet sich nach Raumgröße, Ausstattung, Tageszeit, Menschenanzahl. Weniger ist mehr, Beduftung sollte an der Wahrnehmungsgrenze stattfinden und setzt die Duftakzeptanz bei allen Anwesenden voraus! Lieber mit einem Tröpfchen in Ehren anfangen und bei Wohlgefallen noch eins nachlegen...
- Massageöl zum Wohlfühlen: auf einen Esslöffel fettes Öl (siehe Basiswissen 2) kommen maximal 3 Tropfen ätherisches Öl, bei scharfen, hautreizenden oder stark duftenden ätherischen Ölen genügt oft schon ein Tropfen.
- in der Badewanne: ätherische Öle müssen immer emulgiert werden, da sie sonst auf dem Wasser schwimmen und komplett unverdünnt an die Haut gelangen können! Als Emulgator empfiehlt sich Sahne, Honig, oder ein neutrales Badeöl mit pflanzlichem Emulgator (Firma WADI) , neutrales Schaumbad (Firma Farfalla). Auf ein Vollbad kommen in der Regel maximal zehn Tropfen ätherische Öle insgesamt. Den Anteil an Zitrusölen bei einer Bademischung sollte man je nach Empfindlichkeit der eigenen Haut recht niedrig halten.
- pur sollten Laien eigentlich nur Lavendelöl verwenden, es gibt andere Anwenundgen in akuten Situationen mit puren ätherischen Ölen, die etwas mehr Selbstinformationsbereitschaft voraussetzen...
Zu therapeutischen Zwecken können Dosierungen wesentlich kühner aussehen. Selbsttherapie ist (noch?) nicht verboten, die dazu nötige Selbstverantwortung kommt aber immer mehr aus der Mode und daher hülle ich mich über therapeutische Anwendungen hier in Schweigen, lade aber für eine individuelle Beratung diesbezüglich zum Gespräch in meine Praxis! Sprechstunde: Jeden Mittwoch und Freitag ab 16.00Uhr, bitte um telefonische Anmeldung! Und welches Basiswissenkapitel soll der nächste Post behandeln? Sonst gehe ich endlich zu Mirjams lang ersehnter Iris über!
Darf ich auch was schreiben - als Nichtneuling?
AntwortenLöschen"Aufbewahrung und Haltbarkeit" - weil's Not tut!
Und wie ich immer wieder feststelle, leider allzu häufig trotzt Ermahnungen ignoriert wird.
Ja und wisst ihr wie die Dosierungen in Frankreich sind? Ich sage einfach nur horrend :-o... Abgesehen davon, dass die Aromatherapie dort nur von Ärzten praktiziert wird. Hatte mal ein Zäpfchen von dort unten und es hat mir beinahe alles verätzt... *autsch* ;-)
AntwortenLöschenGanz liebe Grüsse
Mirjam
... und trotz der hohen Dosierungen in Frankreich ist die Zahl der jährlich durch Aromatherapie geschädigten Franzosen offensichtlich nicht besorgniserregend hoch, sonst würde das von den Aroma-Gegnern schon entsprechend kommuniziert. Keine Panik also: ätherische Öle richten, bei sachgerechter Anwendung wesentlich mehr Nutzen als Schaden an! Und je höher man dosieren möchte, desto sattelfester sollte man in der Inhaltsstoffeindikation und erst recht in der Kontraindikation sein. Das gilt auch für Zäpfchen. Bei gekauften Zäpfchen kann an der Hautreaktion übrigens die synthetische Zäpfchengrundmasse im Zusammenspiel mit stark phenolhaltigen Ölen (Thymian ct. thymol, Oregano...), die gerne auf diesem Wege verabreicht werden, schuld sein. Die gute alte Kakaobutter ist die bessere Zäpfchengrundmasse, sie mildert ganz enorm die hautreizenden Eigenschaften der phenoligen Öle und ermöglicht die sehr wirkungsvolle rektale Anwendung bei akuten bakteriellen Infekten der Atemwege!Dazu hier keine Rezepte, es gibt genügend Literatur zum Thema - siehe Lektüreliste!
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