Montag, 15. Juni 2009

Ein lindes Lüftchen


Flüchtig und nicht einfangbar: Lindenblütenduft gehört bei allen Mitteleuropäern bewusst oder häufiger wahrscheinlich unbewusst zu den wichtigsten Kindheitserinnerungen. Kaum ein Schulhof, Dorfplatz oder Schulweg, der sich nicht im Juni in diesen unaufdringlich allgegenwärtigen Sanftduft der Lindenblüten hüllt. Lindenblüten sind im kollektiven Duftgedächtnis der Sommerferieneiscaféfreibadsaisonvorfreudeduft. Genießen wir diese flüchtige Freude! Es gibt kein Destillat, das auch nur annähernd dieses Aroma einfängt. Hat jemand schon von einem akzeptablen Lindenblütenextrakt gehört? Mir ist keines bekannt. Einzig in Maienfels hat sich der gute Herr Lindenmann (der heißt tatsächlich so!) einigermaßen erfolgreich an einer Destillation versucht, es ist ein zierliches Blütenwasser mit einer hauchigen Ahnung von Linde herausgekommen. Allerdings, so hört man, ist die Schinderei dafür wohl in keinem Verhältnis zum Ergebnis und es wird daher keine Wiederholung geben. In meiner Praxis steht ein 50ml Flakon mit dieser Rarität, schnuppern erwünscht! Ansonsten hilft nur: Rechtzeitig tief einatmen und in Duftassoziationen aus der Kindheit schwelgen. Vielleicht sollten gerade wir Aromabegeisterte ab und zu zurück zur Quelle, den Pflanzen nämlich. Die Linde als klassischer Dorfbrunnenbaum gibt Anlass zu mehr als nur einer schwärmerischen Duftträumerei. Dieser weibliche Baum verströmt mit seiner ganzen Gestalt Geborgenheit und wohliges Heimatgefühl. Eine Meditation unter Linden stimmt sanft und gutmütig. Wollen wir uns mit den allerflüchtigsten Düften im Hier und Jetzt auseinandersetzen, den Pflanzen begegnen und saisonale Aromatherapie vor Ort betreiben! Und mit Hausmitteltipps zum Thema Lindenblütentee verschone ich uns hier vorerst alle. Ihr könnt ja mal sammeln, vielleicht bewegt mich ja in ein paar Monaten eine zarte Herbstmelancholie noch einmal zu den Lindenblüten zu posten...

4 Kommentare:

  1. Hallo Aromula,

    Fakten,die so schön,wie in deine Worte eingebettet sind , sind ein Traum. Das zeigt mir immer wieder, dass man in der Aromatherapie neben wissenschaftlichen Aspekten so wunderbar die seelischen mit einfließen lassen kann und muss.
    Danke
    Kerstin

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  2. Hej Ula,
    habe heute bei der Hundetour mal so grob die Linden in unserer Siedlung gezählt - es sind fast 100 blühende Bäume, alle schon über 40 Jahre alt. Der Duft ist betörend süß und berauschend einzigartig und dann kommt noch das unermüdliche Summen der fleißigen Nektarsammler dazu - ein wahrer Sommertraum.......

    Liebe Grüße
    Gaby

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  3. ach, das wort lebenslesezeichen habe ich inzwischen bereits woanders gesehen.... schau mal bei http://thefragrantmuse.blogspot.com/2009/06/exploring-aromatherapy-with-tfm.html etwas zum lachen: was die kollegin schon alles flasch gemacht hat mit ätherischen öle, jaul!

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