Freitag, 3. April 2009

Auf der Suche nach dem verlorenen Duft


Geißblatt o Lonicera, du duftende Heckenkirschenblüte! Schon wieder bin ich versucht mit Superlativen um mich zu werfen, weil Geißblattduft so absolut zum Frühling gehört wie Riemchenschuhe und das erste Eis der Saison. Leiderleiderleider ist der Duft von Lonicera nicht destillierbar und ich bin auf die Parfümeurskunst angewiesen. Mir selber gelang es noch nie auch nur näherungsweise den typischen leichten, nicht zu süßen, nicht zu blumigen, nur ahnungsweise wahrnehmbaren Duft voller fröhlicher Zurückhaltung mit ätherischen Ölen nachzuahmen. Beim Flieder tut man sich da schon leichter: bisschen Ylang Ylang, bisschen Bergamotte, miniminibisschen Tuberose und eine kleine Ahnung von Muskat schon blüht der Flieder in der Fantasie. Für das Geißblatt wären wir doch tatsächlich an die Rhythmen der Natur gebunden. Aber welche Gnade! Seit zwölf Jahren besitze ich dieses Kleinod von Chanel: "Cristalle", das mich schon immer per Duftpost in die schönsten Frühlingsgefühle zu schicken vermochte. Aus Ehrfurcht vor der Natur und um das Besondere nicht abzunutzen trage ich es seit den letzten paar Lenzen nur noch saisonal zur Feier dieser Jahreszeit. Bitte Klopstocks "Frühlingsfeier" beim Auflegen des Parfums rezitieren, das ergibt die perfekte Synästhesie!

2 Kommentare:

  1. oh je, ich analphabeth, nix frühlingsfeier kennen... asche auf mein haupt, fühle mich wie hanna in "the reader", den film habe ich vorhin im kino neben meinem hotel hier in uster gesehen, sehr gut aber schwer verdaulich...

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  2. Ja den Geißblattduft liebe ich auch. In einem Landschaftsschutzgebiet 10 Gehminuten entfernt besuche ich ihn jedes Jahr zur Blütezeit - und stehe dabei in den wilden stacheligen Brombeerbüschen.Was frau nicht alles in Kauf nimmt für diesen Duft.
    Das Flieder-Rezept werde ich jedenfalls mal 'zusammenbrauen' - und zum Vergleich ein bisschen reifen lassen, bis der echte blüht. Danke!

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